Interpol

Turner Prize 2012

Elizabeth Price gewinnt

Sie begann ihre Karriere als Sängerin in einer Band, doch für die Bühne war Elizabeth Price zu schüchtern. Jetzt feiert sie einen der größten Erfolge für zeitgenössische britische Künstler und gewinnt den Turner-Preis

03.12.2012

London (dpa) - Am Ende überzeugten die bewegten Bilder: Der diesjährige Turner-Preis geht an die Videokünstlerin Elizabeth Price. Die 46-Jährige nahm die gefragteste und wichtigste Auszeichnung für zeitgenössische Kunst in Großbritannien am Montagabend in London von Schauspieler Jude Law entgegen. Der Preis ist mit 25 000 Pfund (rund 31 000 Euro) dotiert. Sie freue sich, Dank des Geldes nun neue Projekte angehen zu können, sagte Price.

Die Jury lobte die «verführerischen und eindringlichen Elemente» der Arbeit. Price schaffe eine rhythmische Erfahrung, indem sie verschiedene Materialien kombiniere - darunter Archivbilder, Musikvideos und Strategien aus der Werbung. Für ihre Videoinstallation, in der sie sich unter anderem mit Konsumkultur auseinandersetzt, verwendet die Londonerin tragische Bilder von einem Brand in einem Kaufhaus in Manchester 1979, bei dem zehn Menschen ums Leben kamen. Diese mischt sie unter anderem mit Aufnahmen von einer Mädchen-Band aus den 60er Jahren und Architektur-Bildern.

Insgesamt waren vier Künstler für den renommierten, aber oft umstrittenen Preis nominiert. Filmemacher Luke Fowler, Performance-Künstlerin Spartacus Chetwynd und Paul Noble, der für seine Zeichnungen der fiktiven Stadtlandschaft Nobson Newtown bekannt wurde, erhalten jeweils 5000 Pfund.

Die gebürtige Londonerin Price hatte ihre Karriere in den 1980er Jahren als Sängerin in einer Band begonnen und kleinere Erfolge gefeiert. Sie sei jedoch zu schüchtern für die Bühne gewesen, sagte sie. An ihren Videos und Filmen arbeite sie oft Jahre lang. «Ich glaube, ich brauche einfach so lange, um genau zu verstehen, was ich betonen will.»

Schauspieler Law kritisierte in einer Rede die Sparpolitik der Regierung in den Schulen. Dies komme «kulturellem Vandalismus» gleich, da die Ausbildung der Kinder in Fächern wie Kunst, Musik und Design leide.

Der Turner-Preis wird seit 1984 an Künstler unter 50 Jahren vergeben und zählt zu den wichtigsten britischen Kunstpreisen überhaupt. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre gehörten Damien Hirst und Anish Kapoor.

Ausstellung zum Turner Prize 2012: Tate Britain, bis 6. Januar 2013

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