Interpol

Mike Kelleys Nachlass in Amsterdam

Kämpfen mit dem Superhelden

Im Stedelijk Museum Amsterdam startet die bislang größte Retrospektive des 2012 verstorbenen Mike Kelley

von Elke Buhr
12.12.2012

Eigentlich hätte das Stedelijk seine Wiedereröffnung im September bereits mit einer großen Mike-Kelley-Schau feiern sollen. Seit mehreren Jahren schon hatte Kuratorin Eva Meyer-Hermann mit dem Künstler an einer thematisch gegliederten Ausstellung gearbeitet, mit einigen zentralen Installationen im Zentrum.

Nach dem Schock von Kelleys Suizid im Januar dieses Jahres wurde die Schau auf Dezember verschoben, Stedelijk-Chefin Ann Goldstein übernahm persönlich die Organisation, und man darf von Turbulenzen ausgehen, denn Goldstein stellte das Konzept komplett auf den Kopf: „Nach Mike Kelleys Tod war sein bemerkenswertes Werk plötzlich abgeschlossen, und so wurde diese Ausstellung, die gemeinsam mit ihm geplant worden war, eine Retrospektive im eigentlichen Wortsinn“, sagt Goldstein. Jetzt habe man die Verantwortung, mit der abschließenden Aufarbeitung des Schaffens zu beginnen.

Und das ist keine leichte Aufgabe, denn der ehemalige Punkmusiker hat in zahlreichen unterschiedlichen Medien gearbeitet, Performance, Skulptur und Installation kombiniert. Das Werk des Künstlers, der in Los Angeles lebte, greift tief ins Unbewusste der amerikanischen Kultur: Der 1954 in Detroit geborene Kelley holte die Träume und Albträume einer 60er-Jahre-Kindheit ans Licht, von den frühen Gruselstofftieren bis zu den späten, monumentalen Stadtlandschaften von Kandor, der Heimatstadt des Helden Superman.

„Nichts ist heilig in seiner Arbeit, nicht die sogenannte Hochkultur, Geschichte, Literatur, Musik, Philosophie, Psychologie oder Erziehung. Wenn er sein Interesse an Populärkultur, vom Kunsthandwerk bis zum Comic, mit seiner Neubewertung von Identität und Sexualität zusammenbrachte, war es nichts weniger als eine Erleuchtung“, sagt Kuratorin Ann Goldstein – und hängt damit auch die Latte für ihre eigene Schau denkbar hoch.

Die bislang größte Retrospektive zu Mike Kelley soll über 200 Werke aus allen Schaffensperioden zeigen und die Räume im Stedelijk komplett ausfüllen. Weitere Stationen sind das Centre Pompidou in Paris und das MoMA PS1 in New York.

„Mike Kelley“, Stedelijk Museum Amsterdam, 15. Dezember bis 1.  April 2013

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 12/2012. Sie können das Heft hier bestellen.

ANZEIGE
AKTUELLES HEFT
Aktuelles Heft

Wie speist die Kunstwelt? Gesellschaftstreff und Anlass zum Ausflippen, Feier des Geldes und der Kunst: Wie Galeriedinner zum Ritual des Kunstbetriebs wurden

Tobias Rehberger Der Frankfurter Künstler hat sich sein Zuhause von David Adjaye gestalten lassen. Für Monopol öffnet er erstmals die Türen

Portfolio Lukas Wassmann 
Der Schweizer baut seine Motive gern auch mal selbst. Was dabei herauskommt, sind atemberaubend schöne Bilder

Ken Adam Seine Szenenbilder für James Bond oder "Dr. Seltsam" schrieben Filmgeschichte. Ein Gespräch über Stanley Kubrick, Adams Geburtsstadt Berlin und den Stil des Böse

Sergej Jensen Warum malt der Künstler jetzt figurativ? Eine Spurensuche

Geschenktipps Die besten Jahresgaben der Kunstvereine und Empfehlungen der Monopol-Redaktion

Ab nach: Miami Die Art Basel/Miami Beach ist das Messeereignis zum Jahresausklang. Eine Übersicht über die besten Ausstellungen und Nebenveranstaltungen. Plus: Der Dichter Richard Blanco verrät seine Lieblingsorte

Monopol 12/2014
AM KIOSK
AUF DEM iPAD
IM SHOP
ALS ePaper
ANZEIGE