Interpol

Tocotronics neues Album

Musik für Salons und Ateliers

Zum 20. Bandjubiläum veröffentlicht Tocotronic ein neues Album, das sich erneut wie ein Leitfaden zur aktueller Kunst gebrauchen lässt

von Daniel Völzke
23.01.2013

Bitte nicht: Geniekult und Meisterwerke, kreative Machos und auftrumpfendes Strebertum! Viele Verse der Band Tocotronic taugen als Leitfaden fürs bessere Verständnis aktueller Kunst, und so wundert es nicht, dass die vier Musiker Videos, Cover und Booklets von Künstlern wie Willem de Rooij, Jan Timme, Nina Könnemann oder Henrik Olesen gestalten lassen. „Es ist schwierig, künstlerische Praktiken auf Musik anzuwenden“, sagte Sänger Dirk von Lowtzow einmal im Monopol-Interview, „aber ein gewisses Spiel mit Bedeutungen, wie es Künstler wie Marcel Broodthaers oder Marcel Duchamp vorgemacht haben, hat uns schon immer fasziniert.“



Zum 20. Bandjubiläum veröffentlicht Tocotronic am Freitag das Studioalbum „Wie wir leben wollen” mit 17 neuen Stücken, Sergej Jensen hat das Booklet mitgestaltet, Michaela Meise ist wieder als Background-Sängerin zu hören, und wenn man will, erkennt man in manchen Songs erneut Soundtracks zu Werken von weiteren Künstlern. Zu „Neue Zonen“ etwa ließe sich ein Faultier-Ensemble von Cosima von Bonin imaginieren, da ist von Pilzen die Rede, von „Plüschophilen“ und „Soft-Boys“, Schaum und Stoff.

Überhaupt klingt das Album versöhnlich, manchmal auch allzu sehr darauf bedacht, allen zu gefallen, zerfranst im „Spiel der Bedeu­tungen“. Letztlich aber macht auch diese Platte deutlich: Tocotronic ist ein echter Glücksfall.

„Wie wir leben wollen” erscheint am 25. Januar bei Universal Music / Rock-O-Tronic Records

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 01/2012. Sie können das Heft hier bestellen.

ANZEIGE
AKTUELLES HEFT
Aktuelles Heft

Wie speist die Kunstwelt? Wie Galeriedinner zum Ritual des Kunstbetriebs wurden

Tobias Rehberger Der Frankfurter Künstler hat sich sein Zuhause von David Adjaye gestalten lassen

Portfolio Lukas Wassmann 
Der Schweizer baut seine Motive gern auch mal selbst. Dabei kommen atemberaubend schöne Bilder raus

Ken Adam Seine Szenenbilder für James Bond oder "Dr. Seltsam" schrieben Filmgeschichte. Ein Gespräch

Sergej Jensen Warum malt der Künstler jetzt figurativ? Eine Spurensuche

Geschenktipps Die besten Jahresgaben der Kunstvereine und Empfehlungen der Monopol-Redaktion

Monopol 12/2014
AM KIOSK
AUF DEM iPAD
IM SHOP
ALS ePaper
ANZEIGE