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Fall Beltracchi: Anklage gegen Museumsdirektor erhoben

Köln/Düsseldorf (dpa) - 16 Monate nach der Verurteilung des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi hat die Staatsanwaltschaft Köln Anklage gegen den Direktor des Kunstmuseums Ahlen, Burkhard Leismann, erhoben.

08.03.2013

Ihm werde Beihilfe zum versuchten Betrug in einem Fall vorgeworfen, bestätigte Leismanns Anwalt Hermann-Josef Bunte am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Zugleich wies Bunte die Vorwürfe zurück. In der Anklageschrift stehe, dass Leismann als «gutgläubiges Werkzeug» von der Beltracchi-Bande missbraucht worden sei. Staatsanwaltschaft und das Landgericht Köln äußerten sich noch nicht zu dem Vorgang.

Es geht um ein gefälschtes, angeblich von Fernand Léger stammendes Bild, das im August 2010 in dem Ahlener Museum beschlagnahmt worden war - kurz bevor es für fast sechs Millionen Euro verkauft werden sollte. Leismann war in die Verkaufsbemühungen eingeschaltet. Zwei Tage nach der Beschlagnahme wurden Beltracchi und seine Frau Helene am 27. August 2010 in Freiburg festgenommen. Das Ehepaar und zwei weitere Komplizen sind bereits zu Haftstrafen von bis zu sechs Jahren verurteilt worden. Die Bande hatte jahrelang gefälschte Bilder in den Kunstmarkt geschleust und mindestens 16 Millionen Euro kassiert.

Das angebliche Léger-Meisterwerk und einen gefälschten André Derain hatte der seit langem mit Leismann bekannte Komplize Beltracchis, Otto S., dem Museumsleiter übergeben. Die Anklage werfe Leismann vor, dass er bereits seit April/Mai 2010 Zweifel an der Echtheit des Gemäldes hätte haben müssen, sagte Bunte. Es habe aber vielmehr eine «Fülle an Belegen» für die Echtheit des Bildes gegeben. Außerdem habe Leismann seit Mitte Juli 2010 mit dem Landeskriminalamt Berlin kooperiert. Und als die Zweifel sich verdichteten, habe er alle Verkaufsbemühungen gestoppt.

Um die erfundene Herkunft des Bildes aus der vermeintlichen Sammlung des Großvaters Werner Jägers zu untermauern, hatten die Beltracchis sogar Familienfotos gefälscht. Auf einer vergilbten Aufnahme posiert Helene Beltracchi verkleidet als ihre eigene Großmutter, und hinter ihr an der Wand hängt der gefälschte Léger.

Bunte sagte, die Anklage stehe «in krassem Widerspruch zur Nichteröffnung von Ermittlungsverfahren gegen andere in das Kunstfälschersystem Beltracchi verstrickte Experten». Diese hätten sich erfolgreich darauf berufen können, sie seien von Beltracchi getäuscht worden.

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