Watchlist

Watchlist: Aids-3d

Die Fotos, die das Künstlerduo Aids-3d auf seine Webseite gestellt hat, sehen finster aus.

von Elke Buhr
01.04.2009

Da sieht man Menschen in verrutschten Latexkostümen, nackte Frauen mit bunten Leuchtstreifen auf dem Körper, seltsame Masken mit leuchtenden Augen, tanzende Männer in Stringunterwäsche in futuristisch dekorierten Clubs. Fetischkunst trifft Gender-Aktivismus?

So etwas hat Katharina Sieverding auch gedacht, sagen Daniel Keller und Nik Kosmas lachend – und war völlig falsch gewickelt. Vor drei Jahren sind die beiden Aids-3d-Mitglieder von der School of the Art Institute of Chicago an die Universität der Künste Berlin gewechselt und landeten in Sieverdings Klasse: „Wir waren die hyperaktiven Kids aus Amerika, kamen ständig mit neuen Sachen, während die andern noch Bier tranken“, erzählt Nik. Jetzt haben sie die Uni geschmissen, und Daniel ist mit seinen 22 Jahren der jüngste Künstler in der „Younger Than Jesus“-Show.

Was die beiden vorantreibt, ist die Zukunft selbst: „Technologie ist das wichtigste Thema heute“, sagt Nik Kosmas. Künstliche Intelligenz, Androiden, Computer, die die Macht übernehmen, Theorien vom bevorstehenden Wechsel der Erdpole: Über so etwas können die beiden stundenlang reden. Künstlerisch setzen sie das in Performances voller Technomystik um. Sie bauen postapokalyptische Installationen, in denen Computer wie archäologische Fundstücke vor sich hin blinken, und biegen clevere Leuchtschriften aus dem billigen Neondraht EL-Wire. Ironisch lassen sie das Bluetooth-Zeichen in Flammen aufgehen, als sei es das Symbol eines neuen Ku-Klux-Klan. Und im New Museum werden sie eine altarähnliche Skulptur aufbauen, flankiert von brennenden Fackeln, auf der die geheimnisvollen Buchstaben OMG blinken. Für 20-Jährige ist das Rätsel keines: OMG steht für „Oh my God“ in der SMS-Sprache der Teenies.

Kontakt über: www.aids-3d.com