Familienbetrieb Kunst (5)
"Jemanden zu haben, dem man vertrauen kann" - Die Fahnemanns über ihr Vater-Sohn-Team
Monopol Online stellt Galeristen vor, die mit Kunst aufgewachsen sind oder als Familienbetrieb wirtschaften. In Folge 5 reden Clemens und Jonas Fahnemann über ihre gemeinsame Arbeit und ihre Berliner Galerie, die nun fast seit dreißig Jahren existiert. Hier wurden Künstler wie Olaf Metzel und Hermann Pitz groß, in den 90er-Jahren kamen Günther Förg und Imi Knoebel hinzu, hier stellten auch Künstler wie Donald Judd, Sol LeWitt und Frank Stella aus.
Die Galerie Fahnemann ist eine Berliner Institution - war es da vorprogrammiert, Jonas, dass Sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten?
Jonas: Schon als kleines Kind hat mich mein Vater zu den Künstlern und zu Veranstaltungen mitgenommen. Ich bin 27, die Galerie gibt es schon mein Leben lang. Aber nach meinem Abitur habe ich trotzdem erst einmal ein Studium der Betriebswirtschaft begonnen. In der Galerie habe ich anfangs nebenbei gejobbt und meinem Vater geholfen, eine eigene Website und ein eigenes Emailprogramm aufzubauen, was damals für die meisten Galerien noch völliges Neuland war. Dann hat sich alles so entwickelt, ich bin auf Messen mitgefahren, habe mich mit den Künstlern inhaltlich auseinandergesetzt – und nach drei, vier Jahren, ehe ich mich umsehen konnte, war ich auf einmal mitten im Kunstbetrieb und ich möchte davon heute keine Sekunde missen.
Clemens, vor vier Jahren hat Ihr Sohn die Fahnemann Projects gegründet, einen Galerieraum mit eigener Schwerpunktsetzung, der jüngere Künstler wie Jorinde Voigt, Kai Schiemenz oder Michael Wesely vertritt – haben Sie ihn zu diesem Schritt ermuntert?
Clemens: Ich bin ja damals gestartet mit den Künstlern meiner Generation und mit der Kunst, die damals die Künstler beschäftigt hat. Mit Knoebel, Hartung oder Förg verbindet mich eine lange Geschichte. Aber natürlich sind damit immer auch bestimmte Muster verbunden, die von mir schon bespielt worden sind. Wir hatten schon früh besprochen, dass Jonas irgendwann mal seine ganz eigene Sache aufziehen muss. Inzwischen ist das Label so stark, dass ich auf Messen von Kritikern und Sammlern gefragt werde, ob sie mal mit Herrn Fahnemann sprechen könnten – und sie meinen nicht mich, sondern Jonas.
Es fällt Ihnen nicht schwer, den Staffelstab an die nächste Generation zu übergeben?
Clemens: Nein, da habe ich überhaupt keine Probleme mit. Ich bin sogar richtig stolz darauf, wie Jonas sich das Geschäft angeschaut und etwas Eigenes daraus gemacht hat.
Jonas: Wenn man in einem Betrieb Schrauben herstellt oder Autos verkauft, ist es für die jüngere Generation sicherlich unkomplizierter, ihn zu übernehmen. Mit einer Galerie geht das nicht so einfach. Das funktioniert nicht so eins zu eins. Denn es ist vor allem auch eine Generationsfrage: Ich muß selbst neue Künstler meiner
Generation entdecken und der Galerie ein neues Gesicht geben.
Auf Messen oder bei Galerie-Eröffnungen machen Sie immer einen sehr harmonischen Eindruck. Aber kommt es bei einer so engen Zusammenarbeit nicht zwangsläufig zu Konflikten, wie es sie oft gibt zwischen Vater und Sohn?
Jonas: (lacht) Insgesamt ist es eine ziemlich konfliktarme Zusammenarbeit, würde ich sagen. Am Anfang war der Lernprozess natürlich nicht so einfach und man kann nicht sagen, dass wir nie aneinander geraten sind. Aber dadurch sind wir beide eher stärker zusammengewachsen.
Clemens: Darf ich dazu auch noch etwas sagen? (lacht ebenfalls) Wir hatten schon immer ein spezielles Vater-Sohn-Verhältnis, schon als Jonas vierzehn war, sind wir zusammen für Tausende von Meilen die Route 66 abgefahren. Mit meinem Vater hätte ich das nie machen können. Unsere Generation musst ja die Autoritäten angreifen, die es auch wirklich gab. Mein Großvater ist noch im Kaiserreich groß geworden, mein Vater war Offizier im Zweiten Weltkrieg. Mit ihm zusammenzuarbeiten, wäre gar nicht möglich gewesen.
Was bedeutet es für Sie, mit Ihrer Familie in einem Unternehmen zu arbeiten?
Clemens: Je mehr man mit Leuten arbeitet, desto vorsichtiger wird man. Mitarbeiter engagieren sich nur eine Zeit lang, manche von ihnen gehen weiter, andere machen ihre eigenen Galerien auf und einige nehmen sogar deine Sammlerkarteien mit. Plötzlich jemanden zu haben, dem man einfach so vertrauen kann, das war für mich eine ganz große Erleichterung, eine richtige Erlösung.
Jonas, wie sieht das aus Ihrer Perspektive aus?
Jonas: Ich habe sehr viel von meinem Vater gelernt – vor allem, weil eine ganz andere Offenheit da ist. Man lernt in einem Familienbetrieb sehr viel mehr als in einem Angestelltenverhältnis. Von meinem Vater habe ich sowohl eine formale, kaufmännische als auch eine inhaltliche, kunstgeschichtliche Ausbildung erhalten.
Das klingt alles sehr bodenständig. Ich habe viel mehr Seifenoperdrama erwartet. Es geht bei Ihnen nicht um ein Familienerbe, das weitergegeben werden muss?
Clemens: (lacht) Da sollten Sie Rudolf Zwirner mal fragen. Bei der Zwirner-Dynastie, die sich über Jahrzehnte aufgebaut hat, da kann es bestimmt eher um so etwas gehen.
Jonas: Ich glaube, dass der Druck, der diesbezüglich von außen kommt, viel größer ist. Wir sind da eigentlich ganz entspannt.
Sie haben für das nächste Jahr angekündigt, mit dem Ausstellungsbetrieb zu pausieren. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Jonas: Wir haben in den vergangenen Jahren wirklich Vollgas gegeben, haben jedes Jahr drei bis vier große Kataloge gedruckt, an drei Messen teilgenommen und die Ausstellungen unserer Künstler in Museen und Kunstvereinen mitbetreut. Für mich als junger Mensch ist das schon schwierig, und mein Vater ist fast doppelt so alt wie ich, auf lange Sicht muss er das einfach herunterschrauben.
Das bedeutet aber nicht das Ende der Fahnemann-Dynastie?
Clemens: Nein, keinesfalls. Seit zwei Jahren habe ich sehr starken Bluthochdruck und mein Arzt hat mir noch drei Jahre gegeben, wenn ich so weiter mache wie bisher. Also brauch ich einfach Ruhe und muss jeden Tag zwei Stunden um den See laufen. Nach diesem Jahr ist Jonas vielleicht schon mit dem Studium fertig und kann den Betrieb übernehmen. Und ich bespiele dann vielleicht nur einen kleinen Showroom und gehe das Geschäft entspannter an.
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