Interview

Was macht die Kunst, Steve Martin?

Im „Rosaroten Panther 2“ stolpert er von einem Gag zum andern, unter Künstlern und Sammlern bewegt sich der Filmkomiker geschickt. Ob er nun wirklich Sex mit Cindy Sherman hatte, spielt dabei keine große Rolle

von Daniel Kothenschulte
26.05.2009

Herr Martin, die gegenwärtige Wirtschaftskrise weckt Erinnerungen an die Zeit der Großen Depression der 30er-Jahre. Die hatte immerhin etwas Gutes: Einige der schönsten amerikanischen Songs sind damals entstanden, die Sie in Ihrem Film „Pennies From Heaven“ verewigten. Denken Sie jetzt manchmal wieder an diese Lieder?
Wissen Sie, wenn man heute Radio hört, selbst im Internet, findet man unzählige Sender mit den Hits der 80er, 70er bis hin zu den 40ern. Aber keine mit denen der 30er-Jahre, was doch wirklich ein Jammer ist. Sie waren fantastisch, hatten einen tollen Sound und Stil, wunderbare Texte, und wenn Sie sich vorstellen, dass die musikalische Einleitung allein zwei Minuten dauerte, bis erst der Sänger kam ...

Bing Crosby hatte einen Hit über einen bankrotten Unternehmer, der nicht aktueller klingen könnte: „Brother Can You Spare A Dime“.
Das ist eine wirklich tolle Nummer. Aber in „Pennies From Heaven“ habe ich mehr diejenigen ausgesucht, die von gebrochenen Herzen erzählen. Heute hieße das Lied wohl eher: Bruder, hast du mal ’ne Milliarde?

Ein anderes Lieblingsprojekt von Ihnen handelt ebenfalls von einem Kulturereignis des 20. Jahrhunderts: Wann kommt endlich Ihr am Broadway erfolgreiches Theaterstück über Picasso auf die Leinwand?
Ich glaube, da wird nie was draus. Es gab erst einen wahren Sturm von Interesse, und dann war ganz plötzlich der Wind raus, was typisch ist für Hollywood. Aber ich bin eigentlich froh, dass es ein Theaterstück geblieben ist.

Sie haben auf der Bühne mit absurder Komik angefangen. Diese Form hatte immer viel mit moderner Kunst zu tun, was man bei Beckett sieht oder bei Buster Keaton. Oder auch in Ihrem eigenen Film „L. A. Story“ über einen Kunstfreund, der im Museum Rollschuh fährt. Heute sind Sie auch als Kunstsammler berühmt. Fühlen Sie sich den Künstlern seelenverwandt?
Bei Beckett und Keaton stimme ich zu, und auch bei „L. A. Story“: Das ist wohl mein surrealster Film. Dieser Film hat ein Nachleben. Als er herauskam, war er zwar kein Flop, aber er wurde eher mit einem Achselzucken aufgenommen als mit Enthusiasmus. Was mich sehr enttäuschte, ich dachte, er sei fantastisch.

Ist er auch.
Danke, aber er bewirkte nichts. Er überraschte die Leute nicht so, wie ich es geglaubt hatte. Oder vielleicht auch zu sehr, weil sie nicht wussten, wie etwas gemeint war. Obwohl ich alles ganz eindeutig fand.

Eine Grundkenntnis des Werks von Jenny Holzer war dem Verständnis jedenfalls nicht abträglich. Ihren Arbeiten sehr ähnliche Leuchtschriften treten ja in Ihrem Film als Orakel auf.
Ich dachte aber gar nicht an sie. Ich hatte den Einfall auf dem Freeway von Los Angeles, wo diese Schriftbänder als Verkehrszeichen dienen. Plötzlich dachte ich: Wie wär’s wohl, wenn die mit einem sprechen würden? Dann fand ich heraus, dass sie alle miteinander unterirdisch verbunden waren. Sie könnten also wenigstens miteinander kommunizieren. Sie könnten die Lebensadern der Stadt sein!

Verfolgen Sie eigentlich noch die Karriere von Cindy Sherman? Sie hat gerade eine große Ausstellung in Berlin.
Ich habe eine Arbeit von ihr.

Ist das alles, was sie Ihnen zurückgelassen hat?
Sie ist eine große Künstlerin und wird in Amerika dafür verehrt, dass sie die Fotografie wirklich verändert hat. Das ist verdammt schwer, sich da noch einzuschreiben, aber sie hat es gemacht.

Sind Sie noch miteinander befreundet?
Ah, jetzt weiß ich, worauf Sie hinauswollen. Sie denken, wir hätten was miteinander gehabt. Also, das stimmt ja gar nicht.

Ist das etwa nur eine Kunstmarktlegende?
Wenn man miteinander eine Zeit lang ausgeht, heißt das noch lange nicht... Wenn Sie sich meine Rolle als Inspektor Clouseau ansehen mit seiner schüchternen Art gegenüber Frauen, kommen Sie der Sache schon näher.

Erzählen Sie uns etwas über Ihre künstlerischen Vorlieben?
Auf gar keinen Fall. Das käme mir so vor, als würde ich meine privatesten Dinge preisgeben. Ich würde das Gefühl haben, mein Innerstes zu veräußern. Plötzlich würde etwas Öffentliches daraus werden, das gefiele mir gar nicht.

Das ist interessant. Viele Sammler sind ja der Meinung, mit dieser Tätigkeit selbst ein öffentliches Statement abzugeben. Dabei ist Kaufen ja eigentlich gar nicht so schwer.
Ganz genau. Ich sage immer: Es ist gar nicht Sammeln. Es ist bloß Impulskaufen. Shopping. Aber natürlich hat man auch etwas davon, die Leute, die man dabei kennenlernt ... Tut mir leid, dass das mit dem Sammlerinterview nichts wird, ich fühle mich ja auch komisch dabei.

Wenn es wie Shopping ist, gibt es denn auch ein Umtauschrecht nach drei Tagen?
Es gibt die Reue nach dem Kauf, auf jeden Fall. Aber auch den Kitzel.

Haben Sie nie das Gefühl, dass Sie den Einkauf am nächsten Tag gar nicht mehr auspacken wollen?
Nein, das hat eher Charles Saatchi. Er kauft Quantität. Das mache ich nicht.