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Maziar Moradi

Den Film, den er eigentlich machen wollte, hat er nie gedreht, doch das ist gut.

von Karin Schulze
01.05.2009

Denn stattdessen produzierte Maziar Moradi Fotos, die echte „Short Cuts“ sind – Ereignisessenzen, vollgesogen mit Geschichte und Geschichten. Etwa das Bild des Mannes, der erstarrt in einer Garage vor einer Pfütze steht. Oder das vom ausgestiegenen Autofahrer, der fassungslos in die Richtung blickt, aus der er gefahren kam.
Moradi hatte 1986, damals elf Jahre alt, zusammen mit seinen Eltern den Iran verlassen. Bei einem Familientreffen, er studierte inzwischen Kommunikationsdesign in Hamburg, beeindruckten ihn die Erzählungen von der islamischen Revolution 1979 und dem anschließenden Irak-Iran-Krieg. So konzipierte er die Fotoserie „1979“, skizzierte akribisch jede Einstellung, gewann mit dem Projekt den Otto-Steinert-Preis und reiste, davon beflügelt und finanziert, im Jahr 2007 in die Heimat, um dort mit Verwandten deren persönlich einschneidendste Erlebnisse nachzustellen.
Während der Aufnahmen mischten sich freilich die aktuellen Gefühle der Protagonisten in die ursprünglichen Szenen. Diese Überlagerungen reicherte Moradi weiter an, indem er nicht auf dokumentarische Genauigkeit setzte, sondern subtil theatralisierte. Und so ist eine Dramatik zu spüren, die man gar nicht sieht: Der Mann in der Garage hat einen Freund, den ein Bombensplitter getroffen hatte, nicht vorm Verbluten bewahren können. Und der Autofahrer schaut zurück auf die Explosion einer Tankstelle. Er hat einen Teil seiner Familie dabei verloren.

Kontakt über Maziar-moradi.de.
Arbeiten Moradis sind von 15. Mai bis 10. Juli in der Schau „Gute Aussichten“ im Art Foyer der DZ Bank in Frankfurt am Main zu sehen