Gehen und sehen: Die Pavillons - Lateinamerika
Federico Herrero aus Costa Rica lässt in seiner Malerei die Farbfelder wuchern
Vielleicht hat es mit den Holzstücken angefangen. Federico Herrero hat sie überall in seiner Heimatstadt San José aufgelesen und dann bemalt. Weil der 1978 geborene Costa Ricaner damals, im Jahr 2000, keinen Kontakt zu Galerien oder Museen hatte, war bald die ganze Stadt mit den kleinen Gemälden gepflastert. Genauer gesagt: Federico Herrero hängte seine Arbeiten in Bäume hinein. „Blattwerk“, das dann vielfach aufgelesen wurde und an anderen Orten wieder auftauchte.
Der Treibgutcharakter seiner Kunst ist ein zentrales Moment für Herrero. Er möchte Kommunikationsebenen schaffen. Schon die euphorischen Farbfelder auf seinen Bildern sind dem Dialogprinzip verpflichtet: wie Purpur und Grasgrün miteinander streiten, Violett sich an Graubraun schmiegt oder Lachsrosa einen Flecken Knallgelb beruhigend umarmt. In Venedig machte Herrero bereits 2001 Furore, damals gewann er den Preis für junge Künstler. In diesem Jahr gehört er zur Zwölfergruppe im Pavillon von Lateinamerika, neben Kollegen aus Kolumbien, Guatemala oder El Salvador. Was genau er dort zeigen wird, will er erst kurz vorher entscheiden. „Ich muss erst einmal hinfahren und den konkreten Ort in Augenschein nehmen“, sagt Herrero, dem ein ortsspezifisches Unternehmen am liebsten wäre.
Alternativ will er eine Serie auf Leinwand zeigen. „Diese Arbeiten sind schon in Europa.“ Nur kann man bei Herrero nie sicher sein, ob sich die trotzige Farbe wirklich im Zaum halten lässt und vor lauter Improvisationsdrang nicht doch über das Bild hinausschwappt. So geschehen 2008 im Kunstverein Freiburg, wo sich die Malerei an Wand und Boden fortsetzte. Pinselspuren, die kahlen Bäumen gleich im Bildraum aufragten, flossen wie farbige Schatten in den Ausstellungsraum hinein. Andere Bilder waren gleich direkt auf die Wand gemalt oder wucherten als abstraktes Gewächs aus Raumecken hervor.
Seine ins Offene drängende Malerei ist ohne die urbane
Erfahrung in San José nicht denkbar. „Die Stadt ist geprägt durch ein völliges Fehlen urbaner Planung und daher ziemlich chaotisch“, sagt Herrero. Sein Malereistudium am renommierten Pratt Institute in Brooklyn brach er nach drei Semestern ab, um nach Costa Rica zurückzukehren. Auf einmal kam ihm die Heimatstadt „wie eine unglaubliche Leinwand zur Verwirklichung meiner Ideen vor“. Umgekehrt pulst in seinen Tafelbildern das städtische Leben. Farbgebäude werden gestapelt und aneinandergedrückt. Vereinzelt tauchen schemenhafte Fantasiefiguren als skurrile Umrisszeichnungen auf, nehmen isolierte Augenformen Kontakt zum Betrachter auf. Die Stadt verschlingt dich mit Blicken.
Artiglierie dell’ Arsenale,
www.labiennale.org
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