Watchlist: Anna Konik
Neben ihrem Studium der Bildhauerei an der Akademie der Künste in Warschau arbeitete Anna Konik in einer psychiatrischen Anstalt.
Ein Patient, der unter Schizophrenie litt, steckte ihr eines Tages den Text eines selbst geschriebenen Theaterstücks zu: Es handelte von dem Traum, physisch mit dem Geliebten zu verschmelzen. Konik wusste gleich, dass sie mit diesem Stoff einmal arbeiten wollte. Als sie einige Zeit später für ein Künstlerstipendium nach Irland kam, fand sie dafür auch den geeigneten Ort: Südlich von Cork liegt die psychiatrische Klinik Our Lady’s Hospital, die 1852 eröffnet und 2002 geschlossen wurde, nachdem Berichte über die inhumanen Zustände in der Klinik an die Öffentlichkeit gelangt waren.
In den verlassenen Räumen der Klinik drehte Konik ihre Videoarbeit „Our Lady’s Forever“, eine Sieben-Kanal-Installation, die im Frühjahr in der Städtischen Galerie Wolfsburg gezeigt wurde. Langsam, fast schwebend bewegt sich die Kamera durch die Anstalt, findet offene Schubladen, aufgeschlagene Bettdecken, Vorhänge, die sich im Wind bewegen, auf einem Tisch ein Puzzle, von dem das letzte Teil fehlt. Immer wieder tauchen ein Mann und eine Frau auf, geisterhaft und in sich versunken, ihre Wege kreuzen sich nicht.
Doch der eigentliche Protagonist der Arbeit ist der Ort: die klaustrophobische Enge drinnen und der Blick hinaus auf das Meer, die Schönheit der Natur und der Schrecken der Vergangenheit. Koniks Film ist eine Meditation über die Liebe, die Einsamkeit und das Verschwinden. Und darüber, wie die Welt sich ändert, wenn man von der Norm abweicht – sei es, weil man krank oder weil man verliebt ist.
Kontakt über: annakonik@gmail.com
Ein Jahr im Leben von Gerhard Richter. Erzählt von Alexander Kluge zum 80. Geburtstag des großen Malers
Die Künstler und das Kino: Mit Andy Warhol, Isa Genzken, Christian Marclay, Douglas Gordon u.v.m.
Ein Portfolio von Ron Galella
Im Porträt: Jeremy Shaw
JETZT AM KIOSK ODER HIER DIREKT BESTELLEN




