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53. Venedig-Biennale

Projekt der Palästinenserin Emily Jacir abgesagt

Wie oft haben Venedigs Touristen diese schwarzen Buchstaben auf gelbem Grund gelesen, wenn sie aus den venezianischen Linienbooten gestiegen sind.

von Daniel Völzke
erstellt am 05.06.2009
Emily Jacirs Entwurf für die Vaporetto-Haltestelle, Foto: Emily Jacir
Emily Jacirs Entwurf für die Vaporetto-Haltestelle, Foto: Emily Jacir

Nach den Plänen der palästinensischen Künstlerin Emily Jacir hätten sie das während der Laufzeit der Biennale, die am Sonntag eröffnet wird, auch in arabischen Buchstaben lesen sollen. Jacir wollte die gesamte Linie 1 des Wasser-Nahverkehrs mit arabischen Schriftzeichen versehen, dazu hat sie den Netzplan ins Arabische übertragen, als wäre Venedig eine Stadt im Nahen Osten. Sie wollte damit auf die lange kulturelle Verbindung zwischen der Lagunenstadt und den arabischen Ländern hinweisen.

Ihr Beitrag war Teil der ersten palästinensischen Länderpräsentation auf der Venedig-Biennale überhaupt. Jetzt wurde das Projekt kurzfristig gestoppt - das venezianische Verkehrsunternehmen hatte die Genehmigung überraschend zurückgezogen. "Es war eigentlich alles klar", erzählt Jacir im Monopol-Interview. "Es lagen Genehmigungen der Stadt, des Bürgermeisters und der Verkehrsgesellschaft vor." Über die Gründe kann Jacir nur spekulieren: Die Verkehrsbetriebe haben auf ihre Anfragen nicht mehr geantwortet und verweigern jeden Kommentar. "Ich bin recht traurig, dass das Projekt nicht verwirklicht werden kann", sagte Jacir, die bei der vergangenen Venedig-Biennale 2007 einen Goldenen Löwen gewonnen hatte.

Der Vorfall erinnert an den Wirbel um Gregors Schneiders Arbeit "Cube": Der schwarze Würfel, der an die Kaaba erinnern könnte, sollte 2005 eigentlich auf dem Markusplatz abgestellt werden. Kurz vor Eröffnung der Biennale wurde das Projekt jedoch untersagt. Der damalige Biennale-Direktor Davide Croff informierte die Öffentlichkeit, in Rom habe man sich entschieden, die Realisierung zu verbieten, aufgrund der "politischen Natur" des Kunstwerks. Es wurde später in Hamburg gebaut. Von Emily Jacirs Arbeit bleibt vorerst nur der Flyer, der das Projekt erklärt: "Die Künstlerin dankt den ACTV", den Verkehrsbetrieben, steht dort noch. Auch das hat sich jetzt erledigt.

eb