Art-Cologne-Direktor Daniel Hug im Interview

Nicht nur für die Elite

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Messechef Daniel Hug über die Rolle der Art Cologne zwischen regionaler und internationaler Konkurrenz

Herr Hug, es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass es weltweit einige dominierende Marktplätze gibt, namentlich die Art Basel sowie New York und London, die mit ihren Auktionshäusern, Galerien und Messen einen Großteil des Umsatzes mit Kunst ausmachen. Wie positionieren sich da Deutschland und das Rheinland und speziell die Art Cologne?
In Bezug auf den Luxusmarkt ist das richtig. Der Verkauf eines Klimt-Gemäldes bei Sotheby's Anfang März für 48 Millionen Pfund in London lässt die Verkäufe von Hunderten Werken zwischen 10.000 und 150.000 Euro auf dem deutschen Markt natürlich verblassen. Die Realität ist aber, dass in Deutschland immer noch normale Menschen Kunst sammeln, an Orten wie Großbritannien und in Kunstzentren der Vereinigten Staaten hingegen hat sich das Sammeln von Kunst zu einem exklusiven Hobby von einer Elite entwickelt, die maximal ein Prozent der Welt ausmacht.

Wie steht die Art Cologne im internationalen Vergleich da? Was macht sie anders als andere Messen, etwa die Art Brussels?
Die Art Cologne ist in einer ganz einzigartigen Position, denn der deutsche Kunstmarkt ist einer der größten in der Welt, der nur von den USA in Bezug auf führende Künstler, Anzahl von Galerien und Institutionen übertroffen wird. Das gestaltet unsere Rolle als Kunstmesse radikal anders als beispielsweise die von Basel, deren Zweck es ist, ein Einkaufszentrum für die Reichen und Berühmten der Welt zu sein.

Die MCH Group, die Muttergesellschaft der Art Basel, hat sich gerade an der Art Düsseldorf beteiligt. Sehen Sie den Einstieg der Schweizer bei den Machern der ehemaligen Kölner Art.Fair 21 als Angriff auf die Art Cologne?
Zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwer zu sagen, wie diese neue Messe aussehen oder sich entwickeln wird. Ich gehe davon aus, dass es eine Fortsetzung der Art.Fair sein wird, deren Programm sich von der Art Cologne bislang unterschieden hat. Mit der Art Cologne, der ­Cologne Fine Art und der Art.Fair gelingt es am Standort Rheinland seit vielen Jahren, in erfolgreicher Koexistenz die komplette Bandbreite des Kunstmarkts abzubilden. Die bereits im letzten Jahr angekündigte Beteiligung der Art Basel an der neuen Art Düsseldorf unterstreicht die Bedeutung des Rheinlandes und der gesamten Region als wichtiger Kunsthandelsstandort. Als regionale Messe hat die Art Düsseldorf eine andere Ausrichtung und steht nicht in direkter Konkurrenz zur Art Cologne. Die Art Cologne findet im Frühjahr statt, die Art Düsseldorf im Herbst.

Wo ist die Art Cologne gegenüber der Art Düsseldorf im Vorteil?
Die Art Cologne und die Art.Fair existieren seit zwölf Jahren friedlich nebeneinander. Wie bereits gesagt, als regionale Messe hat die Art.Fair eine andere Ausrichtung als die Art Cologne, sodass der Umzug nach Düsseldorf bislang kein großes Thema für uns ist. Die Art Cologne hat insofern einen Vorteil, als sie als älteste Kunstmesse der Welt eine größere internationale Schlagkraft hat und damit auch qualitativ hochwertige Galerien anlockt.

In diesem Jahr ist die Art Cologne eingekeilt zwischen der Art Brussels und dem Berliner Gallery Weekend, mit dem sie sich sogar überschneidet. Wem schadet diese Konkurrenz mehr?
Eigentlich profitiert jeder davon, denn wenn die Veranstaltungen jeweils einen oder zwei Tage ohne Überlappung stattfinden können, dann werden durch die Vielfältigkeit der Programme insgesamt mehr Besucher zu den Messen gelockt.

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