3 Fragen an: Christoph Faulhaber

ANZEIGE

 

Herr Faulhaber, Sie beschäftigen sich mit den Themen innere Sicherheit und Überwachung. Wieso hat Sie das FBI verhört?
Genau genommen geht es in meiner Kunst um die Themen „Bild“ und „öffentlicher Raum“: Bild, Abbildung, Repräsentation, gesellschaftliche Codes. Wann wird die Kamera zur Waffe und das Bild als Terror gelesen? Von 2004 bis 2007 habe ich zusammen mit Lukasz Chrobok das Projekt „Mister Security“ durchgeführt, einen fiktiven Sicherheitsdienst, mit dem wir Botschaften und Konsulate der USA in Deutschland „überwachten“. Meist trat einer von uns mit einer schwarzen Uniform vor den Botschaften auf, mit Kamera und Aufnahmegerät, und der andere dokumentierte die Ereignisse noch mal mit der Kamera. Die deutschen Polizeibeamten vor der US-Botschaft in Berlin haben dann das Filmmaterial beschlagnahmt und einen Platzverweis erteilt. Das daraufhin eingesetzte Strafverfahren wurde eingestellt, da es keinen Verstoß gegen geltendes deutsches Recht gab. Doch ich vermute, dass die deutschen Behörden meinen Namen an die amerikanischen Behörden weitergeleitet haben. 2007 wurde ich als Stipendiat der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur für ein sechsmonatiges Stipendium in New York ausgewählt, ein Residenzstipendium im Kunsthaus Location One. Eigentlich sollte ich schon im September 2007 in die USA reisen, doch ich habe kein Visum bekommen.

Aber Sie sind dann doch in die USA gereist?
Ja, nach Intervention des rheinland-pfälzischen Kulturstaatssekretärs Hofmann-Göttig bei der US-Botschaft habe ich das Visum schließlich doch erhalten und bin Anfang September 2008 nach New York geflogen. Als die Maschine gelandet war, betraten zwei Herren das Flugzeug und haben mich „abgeholt“. Ich wurde eingehend von Mitarbeitern der U.S. Customs and Border Protection befragt, meine Koffer wurden durchsucht – doch es gab keine Gründe, die gegen meine Einreise gesprochen hätten. Vier Tage später kamen zwei FBI-Mitarbeiter in der Location One vorbei und befragten mich erneut zu meinen Plänen in den USA. Kurz darauf teilte mir die Leiterin von Location One mit, dass ich das Kunsthaus mit sofortiger Wirkung verlassen muss.

Die Tatsache, dass Sie vom FBI befragt wurden, hat dafür genügt?
Ja, und erstaunlich ist erstens, dass das New Yorker Künstlerhaus mich selber ausgewählt hatte, und zwar gerade wegen dieses Projekts. Und zweitens, dass mir am nächsten Tag vom Künstlerhaus Schloss Balmoral, das das Stipendium der Stiftung Rheinland-Pfalz vergibt, mitgeteilt wurde, dass jegliche Förderung der Stiftung mit sofortiger
Wirkung endet. Der Vorschlag, das Stipendium an einer anderen New Yorker Institution fortzuführen, wurde ebenso
ignoriert wie alle meine Versuche, mit
jemandem aus der Stiftung oder dem Ministerium Kontakt aufzunehmen. Erst durch die anwaltliche Vertretung von Peter Raue hat sich das Kultusministerium zu einem Überdenken dieser rigorosen Position bewegen lassen und einen Teil des Stipendiums ausgezahlt. Mittlerweile hat man mich auch aus der Liste der ehemaligen Stipendiaten gestrichen.
Interview: Sebastian Frenzel

Ausstellungen: Basis, Frankfurt, 20. Februar bis 12. März, und Artfinder Galerie, Hamburg, 27. März bis
10. April

 

Drucken

Weitere Artikel aus Interpol