Weltkunstschau mit finanziellen Problemen

Ex-Documenta-Chef Buergel fürchtet um Unabhängigkeit der Ausstellung

Der frühere künstlerische Leiter der Documenta Roger M. Buergel fürchtet um die Unabhängigkeit der finanziell angeschlagenen Kunstausstellung in Kassel.

"Meine Angst ist, dass jetzt politischen Interventionen die Tür geöffnet ist", sagte Buergel am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Das "Konstrukt Documenta" sei in Gefahr. Der Direktor des Züricher Johann Jacobs Museums war für die Documenta 12 im Jahr 2007 verantwortlich.

Bisher habe die künstlerische Leitung einen hohen Grad der Autonomie gehabt. "Die Politik hat nie reingepfuscht, der Aufsichtsrat hat sich vornehm zurückgehalten", erklärte er. Das dürfe sich durch den Konflikt um die aktuelle Documenta 14 nicht ändern. "Riskante Projekte muss es immer geben", sagte Buergel. Sonst verliere die Ausstellung ihren Reiz.

Auch bei der Documenta 12 gab es laut Buergel Probleme: Man brauchte mehr Geld, um einen Pavillon in der Aue zu finanzieren. "Da hatten wir Diskussion mit Politikern, ob die Stadt dafür gerade steht, wenn das in die Hose geht." Das sei aber vorher besprochen worden. Am Ende war es unnötig: Die Documenta 12 schloss mit einem Plus ab.

Dass die aktuelle Ausstellung möglicherweise keinen neuen Besucherrekord aufstellt, findet Buergel nicht schlimm: Das sei eine "Orientierungsgröße für Inkompetente". Eine Geschäftsführung der Documenta dürfe sich auf solche Maßstäbe nicht einlassen. Debatten um die künstlerische Qualität der Documenta werde es immer geben. "Entscheidend ist, dass das Gerüst stimmt", erklärte er.

Der aktuellen Documenta droht ein Millionen-Defizit. Der künstlerische Leiter, Adam Szymczyk, hatte am Donnerstag sein Konzept verteidigt und die Politik kritisiert. Man müsse "das System der Wertschöpfung solcher Megaausstellungen wie der Documenta auf den Prüfstand stellen", erklärt er. Die weltweit bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst endet am Sonntag.

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