Neues Galerienviertel

Harlem Renaissance

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In New York arbeitet sich die Gentrifizierung unaufhaltsam nordwärts – und so könnte Central Harlem bald das neue Galerienviertel werden

Fried Chicken brutzelt in den Soul-Food-Restaurants, an den Ständen einiger Straßenverkäufer läuft Reggae-Musik, es riecht nach Räucherstäbchen. Willkommen in Harlem. Das also ist New Yorks neues Galerienviertel? Noch nicht, aber vielleicht schon bald. Elizabeth Dee und Gavin Brown machen den Anfang, ihre Galerien eröffnen im September nördlich des Central Park. Und auch der Berliner Johann König schaut sich gerade in der Gegend um.

Dees neue Adresse ist fortan die 5th Avenue, zwischen Martin Luther King Boulevard und 126. Straße in Central Harlem. Zuvor war hier ein Café mit Livemusik, in den 60er-Jahren das geschichtsträchtige Studio Museum, nun werden hinter der großen, einladenden Glasfront Graffiti weiß übermalt und Wände eingerissen. Ein Stockwerk oberhalb der Galerie residiert nach wie vor das National Black Theatre, eine 45 Jahre alte Kultureinrichtung.

Dees neuer Standort ist mit insgesamt 1000 Quadratmeter großen Räumen auf zwei Stockwerken mehr als viermal so groß wie jener in Chelsea. Mehr Platz, um eine größere Anzahl an Arbeiten pro Künstler über einen längeren Zeitraum zu zeigen, sagt Dee: "Orte wie diesen gibt es in Manhattan nicht." Als die Miete in Chelsea, wo sich Dees Galerie seit 15 Jahren befand, wieder einmal erhöht werden sollte, begann die Suche nach etwas Neuem.

Vor vier Jahren ist Dee, die bis dahin immer in Manhattan gelebt hatte, privat nach Harlem gezogen, für sie ist es "die derzeit authentischste Gegend New Yorks. Es ist so, wie die Stadt einmal war." Sie schätzt Harlems Nähe zu den großen Kulturinstitutionen: "Ich verbringe seit meinem Umzug mehr Zeit im Met, im MoMA und im Whitney als je zuvor."

Dee erzählt, etliche Galeristen blickten derzeit interessiert nach Harlem, immer wieder werde sie um Rat gefragt: "Wir haben seit der Lower East Side vor zehn Jahren kein neues Galerienviertel, ich denke, dass der Umzug nach Harlem ganz natürlich geschehen wird."

Auch Gavin Brown – ihn zog es ebenfalls zuerst privat nach Harlem – siedelt im Sommer nach 20 Jahren SoHo, West Village und Meatpacking District nach Harlem, in eine ehemalige Brauerei auf der 127. Straße mit "kathedralem Charakter" auf drei Stockwerken.

Dee sagt, in Chelsea habe sie alle Möglichkeiten ausgeschöpft, nun wolle sie die Nachbarschaft erreichen: "Ich habe überall gesucht, aber nichts gefunden, wo wir eine Stimme haben könnten." Nicht alle aber sind von der Idee, Harlem als neuen Galerienstandort zu etablieren, angetan: Einige alteingesessene Bewohner der überwiegend afroamerikanischen Nachbarschaft befürchten, dass mit dem Einzug der Galerien die Mieten weiter steigen werden und die Gentrifizierung noch schneller voranschreiten wird.

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