Lucas Museum of Narrative Art

Jäger des verlorenen Schatzes

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Im Kino hat George Lucas große Geschichten auf die Leinwand gebracht. Jetzt möchte der Hollywood-Regisseur in seinem eigenen Museum zeigen, was die anderen zu erzählen haben

"Star Wars"- und "Indiana Jones"-Memorabilia zusammenzutragen ist nicht so ungewöhnlich. Wenn man aber der Erfinder von "Star Wars" und "Indiana Jones" ist, worauf spezialisiert man sich dann? George Lucas sammelt Kunst. Aber nicht irgendwelche. Der amerikanische Regisseur interessiert sich für "erzählende Kunst".

Für seine Sammlung lässt Lucas jetzt in Chicago ein Museum bauen: das Lucas Museum of Narrative Art. Das hat der Stadtrat nach einjähriger Verhandlung bewilligt. Im Frühjahr 2016 sollen die Bauarbeiten beginnen, für 2019 ist die Eröffnung geplant. Obwohl das noch ein bisschen dauert, hat das Museum schon einen Präsidenten, nämlich Don Bacigalupi. Der war bisher Direktor beim Crystal Bridges Museum of American Art in Arkansas, dem Privatmuseum der Walmart-Erbin Alice Walton.

Online kann man auch schon mal einen Blick auf die Sammlung werfen. Zum Beispiel gibt es da einige Gemälde von Norman Rockwell, einem der teuersten Maler Amerikas, der für seine hyperrealistischen Alltagsszenen mit Kindern, Hunden und Pfadfindern bekannt ist. Also alles süßlicher Kitsch, den sich kein anderes Museum zu zeigen traut? "Das Metropolitan Museum of Art in New York hat ein paar Rockwells. Aber die werden nicht ausgestellt, weil die das nicht für wertvoll genug halten oder so", sagt Lucas.

Bacigalupi und Lucas sind also so etwas wie die Jäger des verlorenen Schatzes der Kunstwelt. Sie wollen Werke zeigen, die vom Kunstbetrieb marginalisiert werden. Klar kann man das in die Niederungen des Populären verbannen. Vielleicht zu Recht. Vielleicht haben David Hockneys "iPad-Drawings" hier ihren richtigen Platz gefunden, denn die hat Lucas auch gesammelt. Er zeigt sie gleich neben Animationen aus "Toy Story" und "Terminator".

Die Urahnen von Hockneys digitalen Zeichnungen sind Andy Warhols verloren geglaubte Amiga-Bilder aus den 80ern. Die 200 mal 300 Pixel großen Bilder hat der Künstler Cory Arcangel im vergangenen Jahr auf alten Floppy Disks entdeckt und restaurieren lassen, bevor sie in der Sammlung von George Lucas gelandet sind. Und ein bisschen "Star Wars"-Romantik gibt es mit Storyboards, Kostümen und Modellen von Raumschiffen dazu.

Lucas glaubt, dass dem Kunstbetrieb vor allem eines verloren gegangen ist: Bilder, die Geschichten erzählen. Wie ein guter Hollywood-Film.

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