27.01.2012 - 09.04.2012
Emily Wardill - "Fulll Firearms"
"Von Januar bis April 2012 präsentiert der Badische Kunstverein die erste umfassende
Einzelausstellung der britischen Künstlerin Emily Wardill in Deutschland. Im Zentrum steht
Wardills neuer Film Fulll Firearms, der vom Badischen Kunstverein co-produziert wurde und
nach seiner Premiere nun erstmals innerhalb des Kontexts einer Ausstellung zu sehen ist. Der
90-minütige Film wird von weiteren skulpturalen, textlichen und soundbasierten Arbeiten der
Künstlerin begleitet, die alle im Verlauf der Filmproduktion entstanden sind.
Emily Wardill arbeitet hauptsächlich im Medium Film und hat in den letzten Jahren mit ihren
Arbeiten eine große Aufmerksamkeit erzielt, unter anderem wurde sie 2010 mit dem
renommierten Jarman Award ausgezeichnet.
Während sich ihre früheren Filme einer linearen Narration eher verweigern und mit den
Mitteln der Collage und Fragmentierung von Bildern, Stimmen und Figuren arbeiten, wie in
Ben (2005) oder Sick Serena and Dregs and Wreck and Wreck (2007), schrieb die Künstlerin für
ihren letzten Film Gamekeepers Without Game (2010) ein Skript für ein narratives Melodram.
Auch ihr neuer Film Fulll Firearms benutzt diese Form der Erzählung für die Geschichte von
Imelda, einer 40-jährigen Frau, die mit dem Erbe ihres Vaters, einem berühmten
Waffenfabrikanten, ein Haus für all die Geister der Verstorbenen baut, die mit den Waffen
ihres Vaters getötet wurden. Noch während der Bauphase wird Imelda mit einer Gruppe von
Hausbesetzern konfrontiert, die das noch unfertige Haus okkupieren und die sie für die
erwarteten Geister hält. Zentral im Film ist Imeldas Verhältnis zu ihrem Architekten, der ihr
jeden ihrer launischen Wünsche erfüllt, obwohl ihm immer deutlicher wird, dass er einer
Wahnvorstellung folgt.
Wardill konfrontiert das Format des Films aber auch immer wieder mit performativen oder
objekthaften Fragestellungen und überführt ihre Vorstellungen vom filmischen in den
physischen Raum und umgekehrt. So erprobt die Künstlerin etwa einige ihrer Projekte
zunächst als Performance, um den zukünftigen Film in einer alternativen Form
durchzuarbeiten und zu überdenken. Auch Fulll Firearms wird im Badischen Kunstverein in
verschiedenen Facetten inszeniert und entfaltet nicht nur eine filmische sondern auch eine
räumliche Präsenz. Neben der Projektion des Films in einer kinoartigen Situation im großen
Saal werden verschiedene Elemente aus dem filmischen Prozess in den angrenzenden
Räumen vorgestellt. Studien zum Set, zu den von der Künstlerin selbst entworfenen
Kostümen und das architektonische Modell zu Imeldas Haus verdeutlichen beispielhaft den
komplexen künstlerischen Prozess, der den Filmen von Wardill immer vorausgeht.
Der Aufbau von Kommunikation und Sprache ist ein weiteres wichtiges Moment in den
Arbeiten der Künstlerin, ebenso wie das Verhältnis von Sound und Bild. Die Soundtracks
spielen in ihren Filmen eine wichtige und eigenständige Rolle: Sie können die Erzählung mit
ihrem Rhythmus intensivieren, wie der Schlagzeugbeat in Gamekeepers Without Game oder
auch die Bilder bewusst durchkreuzen wie in Ben. Für Fulll Firearms wählte Wardill einen
Soundtrack in Anlehnung an die italienische Progressive Rock-Band Goblin, die in den 1970er
Jahren für ihre Filmmusik bekannt wurde. Diesem Soundtrack widmet die Ausstellung ein
eigenes Kapitel und es erscheint eine Schallplatte in Kooperation mit LUX, London, und dem
Label apparent extent aus Köln."
(Pressetext: Badischer Kunstverein)

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