19.11.2011 - 19.02.2012
"Von Schönheit und Tod. Tierstillleben von der Renaissance bis zur Moderne"
"Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt ab dem 19. November eine groß angelegte Sonderausstellung, die zum ersten Mal weltweit die facettenreiche Geschichte der Gattung Tierstillleben vom 16. bis zum 20. Jahrhundert vor Augen führt. Über 120 Ge-mälde, Aquarelle und Reliefs von berühmten Künstlern wie Dürer, Rubens, Weenix, Chardin, Goya, Manet, Ensor, Kokoschka und Beckmann belegen den Stellenwert des Themas. Neben Werken der eigenen Sammlung bieten rund 90 hochkarätige Leihga-ben aus bedeutenden Museen in Amsterdam, Antwerpen, Brüssel, Lissabon, London, Madrid, München, Paris, Stockholm, Wien und Zürich Einblicke in einen faszinierenden Bilderkosmos.
Den Ausgangspunkt für die Konzeption bildet die an Tierstücken reiche, auf die Mark-grafen und Großherzöge von Baden zurückgehende Sammlung der Kunsthalle mit Werken von Jan Fyt, Willem van Aelst, Jan Weenix, Nicolas de Largillierre, Jean Siméon Chardin und anderen. Durch die Leihgaben werden diese Werke in einen grö-ßeren Kontext gerückt. Der Katalog enthält wissenschaftliche Kommentare zu allen Exponaten und beleuchtet kunst- und kulturhistorische Zusammenhänge.
Die Ausstellung veranschaulicht, wie sich Funktion und Bildsymbolik der Tierstillleben, aber auch der künstlerische Blick auf die wiederkehrenden Motive über die Jahrhun-derte veränderten. Neben der enormen stilistischen Bandbreite des Themas sind auch sehr unterschiedliche Aussagen mit den Darstellungen verknüpft: Sie sind sowohl Symbol adeliger Jagdlust, Metaphern für menschliches Leiden als auch Ausdruck sinn-lichen Erlebens.
In der Zeit der Renaissance entstanden als Auftragswerke jagdbegeisterter Fürsten die ersten autonomen Darstellungen erlegter, noch im Tod schöner Tiere. Friedrich der Weise von Sachsen etwa bestellte bei seinem Hofmaler Lucas Cranach d. Ä. Dekorationen mit Federwild für seine Jagdschlösser. Die gemalten Trophäen sollten vom Jagd-glück des Auftraggebers zeugen. Gleichzeitig fanden sie mit vielschichtiger metaphori-scher Bedeutung Eingang in Cranachs Historienbilder. Dürer hingegen wandte sich der Tierdarstellung in seiner frühen Studie einer erlegten Ente mit wissenschaftlicher Neu-gier zu und stellte das Federkleid des Tieres bis ins Detail dar.
Vorläufern wie Cranach folgend, entwickelte sich Ende des 16. Jahrhunderts die Gat-tung des Tierstilllebens, die ihre erste Blüte in Flandern erlebte, dann von den Hollän-dern des „Goldenen Zeitalters“ im 17. Jahrhundert aufgegriffen und zugleich markant verändert wurde. Werke von Künstlern aus den südlichen und nördlichen Niederlanden bilden zwei wichtige Schwerpunkte in der Ausstellung. Weitere Akzente liegen auf Werken der französischen Malerei des 18. Jahrhunderts, auf dem Umbruch zur Mo-derne um 1800 sowie auf den Tierstillleben der Impressionisten und Expressionisten im 19. und 20. Jahrhundert.
Die als Überblick angelegte Themenausstellung macht deutlich, wie sehr sich der Um-gang mit den tradierten Motiven veränderte. Zudem werden über Jahrhunderte hinweg Verwandtschaften sichtbar: Courbet zeigte sich von der naturalistischen Malweise und Kompositionskunst eines Jan Weenix beeindruckt, Manet setzte sich in seiner Darstel-lung eines toten Uhu mit Chardin, aber auch dem Trompe-l’œil auseinander, der seit der Antike immer wieder aufgegriffenen illusionistischen Malerei. Soutine knüpfte mit seinen Bildern an Werke Goyas an. Bei den beiden Letzteren werden die geschlachte-ten Tiere zu Metaphern für menschliches Leiden.
Jenseits aller Bedeutung stellte die Gattung Tierstillleben eine Herausforderung für Maler aller Epochen dar. Ob mit den Mitteln naturalistischer Augentäuschung oder freier Expression: Es ging immer auch um virtuose Malerei. Erst in der Zusammenschau der Bilder aus unterschiedlichen Epochen werden die malerischen Verwandtschaften zwi-schen den Gemälden sichtbar."
(Quelle: Pressetext Staatliche Kunsthalle Karlsruhe)

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