28.01.2012 - 12.08.2012
"The State of Image. Die Medienpioniere Zbigniew Rybczyński und Gábor Bódy"
"Zbigniew Rybczyński und Gábor Bódy sind sich nie begegnet und doch verbindet sie eine wegweisende Entwicklung: beide haben ab den frühen 1970er-Jahren die Herausforderungen, die neue Medientechnologien an die Künste stellten, offensiv angenommen – zunächst als experimentelle Filmemacher, dann in Hinblick auf das Video. Die Ausstellung „The State of Image. Die Medienpioniere Zbigniew Rybczyński und Gábor Bódy“ unternimmt erstmals eine Neubewertung der künstlerischen und technischen Innovationen zur Bildforschung der 1960er- bis 1980er-Jahre am Beispiel zweier herausragender Erfinder, Filmemacher und Medienkünstler.
„Im vergangenen Jahrhundert haben wir uns an den Gedanken gewöhnt, dass die erste Techno-Avantgarde der Künste aus dem Westen Europas und aus Nordamerika stammt. Dieser Gedanke ist falsch. Nahezu alle Grundlagen für die Entwicklung elektronischer Bild- und Tonwelten sind im Osten entdeckt und erfunden worden.“ (Siegfried Zielinski)
Die Ausstellung „The State of Image“ stellt mit Zbigniew Rybczyński (*1949) und Gábor Bódy (1946-1985) zwei Medienpioniere aus Polen und Ungarn vor, die sich in der Tradition der ersten europäischen Avantgarde entwickelten. Obgleich sich beide den Medientechnologien ab den frühen 1970er-Jahren offensiv angenommen haben, sind ihre Gesten sehr verschieden: Zbigniew Rybczyński ist der konstruktivistische Maler, Zeichner und Entwerfer, Ingenieur der neuen Bild-Zeit-Räume, die er schafft. Er entdeckt und entwickelt den Film wie das Video als Möglichkeit, völlig neue Raum- und Zeiterfahrungen machen zu können. Gábor Bódy hingegen ist der Poet, Linguist und Semiotiker, der Dramatiker. Inspiriert durch die Ideen der französischen Denker, entdeckt er früh die Möglichkeiten einer Poesie der Dekonstruktion, die ihm die neuen Medien bieten. Wie kein anderer seiner Zeitgenossen erkundet er die Qualität einer neuen, einer privaten, intimen Öffentlichkeit, die für ihn mit dem Medium, seinen Distributionsweisen und Wahrnehmungen zusammenhängt. Body gilt, als Pionier des experimentellen Films und der Filmsprache, heute als eine der wichtigsten Figuren des ungarischen Kinos. 1980 begann er am ersten internationalen Video-Magazin zu arbeiten, dessen erste zehn Ausgaben er herausgab. INFERMENTAL versammelt die Arbeit von über 1500 Künstlern aus 36 Ländern und wurde bis 1991 publiziert. Es befindet sich heute in der Videosammlung des ZKM | Karlsruhe.
Rybczyńskis Film- und Videoarbeiten machen Raum- und Zeiterfahrungen erfahrbar, die die vertraute mediale Welt nicht bietet.
„Zbigniew Rybczyński kennt nicht nur alle Techniken der künstlichen Bildkonstruktion, er verwendet sie auch alle. Ich kenne keinen Künstler der Gegenwart, der technisch so ingeniös und künstlerisch so kreativ ist wie Rybczyński, genauer gesagt ist Rybczyński künstlerisch so kreativ, weil er über eine unvergleichliche technische Virtuosität und bravura verfügt.“ (Peter Weibel)
Gemeinsam ist dem ehemaligen Herausgeber des INFERMENTAL Magazins Gábor Bódy und dem Oscar Preisträger von 1983 („Tango“, 1980) Zbigniew Rybczyński eine radikal künstlerische Haltung. Beide benutzen die Technik, um etwas vorher noch nicht Sichtbares und Unerhörtes herzustellen.
„Die Künste und die Techniken der Darstellung können es nicht nur, sie sind dazu da, dem Leben hinzuzufügen, was es selbst nicht verwirklichen vermochte. Es entsteht ein imaginärer Dialog zwischen dem Ungarn und dem Polen, und es wird klar, wie viel die diversen Szenen des Westens den Pionieren der medialen Künste im Osten zu verdanken haben. [...] Es wird Zeit, dass wir etwas von dem zurückgeben, was wir uns in der Vergangenheit angeeignet haben.“ (Siegfried Zielinski)"
(Quelle: Pressetext ZKM)

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