14.01.2012 - 11.02.2012
Josef Sailstorfer & Michael Sailstorfer
"Michael Sailstorfer hat zu seiner dritten Galerieausstellung bei Johann König seinen Vater Josef Sailstorfer eingeladen. Beide Künstler sind in Velden/Vils geboren, beide haben an der Münchener Akademie für bildende Künste studiert und beide arbeiten als Bildhauer. Über das seltene Format einer Familienausstellung vermitteln sich Aspekte der Weiterentwicklung und Rückbesinnung im Medium über die letzten Jahrzehnte.
Josef Sailstorfer (*1951 Velden/Vils) zeigt Teile einer im Verlauf der 1980er Jahre angefertigten Skulpturenserie. Über die Bearbeitung von Werkstoffen wie Basalt, Granit, Marmor oder Muschelkalk befragt der ausgebildete Steinmetz die Resistenz von Naturstein gegenüber bildhauerischen Ideen. Der rohe Block wird mit Hammer und Meißel bearbeitet, anschließend geschliffen, und während dieser Prozesse jeweils an physische Belastungsgrenzen gebracht. Das Innehalten an möglichen Bruchstellen und deren Umkreisung scheint gleichermaßen Antrieb und Ziel der künstlerischen Arbeit. Über Zeiträume von Monaten oder sogar Jahren entstehen monolithische Skulpturen, deren Dimension und Fragilität bei aller Strenge in Anlehnung an die menschliche Figur entworfen ist. Unterstrichen wird dies über die Werktitel, wie etwa bei Herzhöhe (1983/2011). Eine solche existenziell gefärbte Erforschung von Materialeigenschaften und Hinwendung zu Handwerklichkeit scheint aktuell für eine nachkommende Künstlergeneration von Bedeutung. Ferner ist trotz der längst vollzogenen Auflösung eines klassischen Skulpturbegriffs zum offenen Konzept der Installation eine Rückbesinnung zu Darstellungen der menschlichen Figur zu beobachten.
In Michael Sailstorfers Werk ist das Vorhandene der Ausgangspunkt: Fahrzeuge, Häuser, Bäume, Himmelskörper sowie weitere Grundsätzlichkeiten aus dem gelebten Raum (Franz Xaver Baier) dienen als Inspirationsquelle und potenziell in einer Skulptur transformierbares Material. In seiner jüngsten Serie Lenker (2012) befestigt Michael Sailstorfer vier über Motoren synchronisierte PKW-Lenkräder an den Innenwänden des quadratischen Galerieraumes, die in beständiger Drehung eine Wegstrecke simulieren. Als dreidimensionales Wandbild und Skulptur suggerieren die Objekte das individuelle Streben nach Balance und Bewegung und die kollektive Irrfahrt, Orientierungslosigkeit und Abhängigkeit. Mit Lenker führt Sailstorfer einerseits seine seriellen Werke fort, die über die Verarbeitung eindimensionaler Nutzobjekte aus Fahrzeugen handfeste Skulpturen und absurde Denkräume schaffen, wie etwa Zeit ist keine Autobahn oder Clouds. Als Installation in der Galerie Johann König fungiert Lenker ferner als Metakommentar auf Sailstorfers Arbeitsmethode: Im Sinne eines expandierenden Universums verleibt sich sein künstlerischer Kosmos fortlaufend weitere Objekte und Bilder ein, die unter verschiedenen physikalischen und räumlichen Bedingungen sowie im Verhältnis zueinander erprobt und durchdekliniert werden.
Im Sinne einer neuerlichen Versuchsanordnung wird die Expansion nunmehr in ein konkretes Verhältnis zum Biografischen gesetzt. Dienten bislang eher die Wälder und Wiesen von Sailstorfers Heimatgegend als integraler Teil seiner Kunstwerke, zeigt sich das Biografische nun über die Kunstwerke des eigenen Vaters, mit und zwischen denen der Künstler aufgewachsen ist. Hinter dem spezifisch Biografischen öffnen sich allgemeine Spannungsfelder im Medium wie etwa der zunehmende Konflikt zwischen konzeptuellem und gestischem Handeln, zwischen dem Raum, den eine Skulptur einzunehmen vermag, und der Widerstandsfähigkeit, die eine Skulptur zu leisten imstande ist, zwischen Abstraktion und Figur sowie, last but not least, zwischen den Alten und den Jungen."
(Quelle: Pressetext Galerie Johann König, Text: Martin Germann)
Dessauer Straße 6-7
10963 Berlin
Tel: +49 (0) 30 / 261 030 80
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