04.11.2011 - 04.03.2012
"Secret Universe II" - Paul Laffoley
"Wo kann es noch Geheimnisvolles geben, wenn es im öffentlichen Raum des Museums ausgestellt wird? Liegt es im Gezeigten selbst, in den Bedingungen, unter denen es entstanden ist, in der Wirkung, die es ausübt? Sowohl als auch. secret universe stellt künstlerische Einzelpositionen vor, die sich mit keinem gängigen Label des Kunstbetriebs verschlagworten lassen, die keinem zeitgeistigen Diskurs folgen und doch sämtliche Strategien der zeitgenössischen Kunst nutzen. Mit der Reihe secret universe hat der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin im Mai 2011 für den Zeitraum von drei Jahren einen Projektbereich eröffnet, der Kunstwerke präsentiert, die Einblicke in faszinierende Möglichkeitswelten und komplexe visuelle Erzählungen geben.
Nach der ersten Ausstellung mit über zweitausend Polaroidfotografien Horst Ademeits präsentiert die zweite Ausstellung das Werk des amerikanischen Künstlers Paul Laffoley.
Seit Mitte der 1960er-Jahre widmet sich Laffoley in seinen Bildern und Texten kosmologischen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Fragestellungen. Aus einem breiten Wissensschatz schöpfend, der von physikalischen und mathematischen Phänomenen über Science-Fiction, Architektur, Alchemie und Religion bis zur Esoterik reicht, bannt Laffoley seine Erkenntnismodelle auf die Leinwand. In der Kombination von Wörtern, Symbolen, Diagrammen und Bildzitaten schafft er ein dichtes Text- Bild-Gewebe, dessen inhaltliche Schwergewichtigkeit durch die zum Teil poppig bunte Farbigkeit und symmetrische Anordnung in eine spielerische Form gebracht wird. Jedes seiner Bilder gibt den Blick ins Herz des Denkens von Paul Laffoley frei, dem man fasziniert folgt. Seine Entschlüsselung verlangt ein transdisziplinäres und enzyklopädisches Wissen. Durch erklärende Texte verdeutlicht Laffoley dem Betrachter den vielschichtigen Gehalt seiner Arbeiten.
Dabei kreist er immer wieder um verschiedene Themenkomplexe und schafft Werke, die eine von orientalischer Mystik geprägte Spiritualität untersuchen, solche, in denen es um Utopien und Zeitreisen geht, sowie Darstellungen von modellhaften Betriebssystemen. Als Grundlage für seine künstlerischen Untersuchungen dient ihm zum einen sein Studium der Kunstgeschichte, klassischen Geschichte, Philosophie und Architektur, zum anderen die jahrzehntelange Recherche und Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Wissensgebieten. Darüber hinaus wurde bei Paul Laffoley 1992 bei einer Computertomografie seines Kopfes ein etwa ein Zentimeter großes Metallstück in seinem Gehirn entdeckt – für ihn ein Chip von Außerirdischen, mit dem er Botschaften über unser Universum senden und empfangen kann. Paul Laffoley ist Künstler, Architekt, Kosmologe und Visionär.
In den folgenden Ausstellungen werden Werkkomplexe weiterer, ganz unterschiedlicher Künstlerpersönlichkeiten gezeigt, die ähnlich wie Paul Laffoley über Jahrzehnte hinweg an einem eigenen Kosmos gearbeitet haben: Morton Bartlett baute15 halblebensgroße Puppen, zwölf Mädchen und drei Jungen, fertigte Kleider und Zubehör für sie, um sie in lebensechten Situationen zu inszenieren und zu fotografieren. George Widener zeichnet kalendarische Codes, magische Zahlenquadrate und Architekturentwürfe, in denen er zum einen die Vision einer humaneren Zukunft entwickelt, zum anderen decodierte Spiele für künftige intelligente Computer integriert.
Jede dieser Einzelausstellungen lädt erneut zur Diskussion und zum Sehen ein. Denn einige der Künstler werden vom Kunstbetrieb als „Outsider“ bezeichnet, ihr Werk scheint nicht „systemkonform“ und somit nicht dem „inner circle“ zugehörig. Uns scheinen diese Kategorien von „inside“ und „outside“ überholt, denn durch die bildnerische Kraft der Werke dieser Künstler spricht die Macht der Kunst, und die hat das Potenzial, die festgefahrenen Diskurse sowohl der Kunstkritik als auch des Kunstbetriebs aufzubrechen."
(Quelle: Pressetext Hamburger Bahnhof)

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