03.03.2012 - 14.04.2012
Max Diel: "Embodiment"
"Max Diel hat sich nach intensivem Studium der Fundamente abstrakter Malerei wieder dem Gegenstand zugewandt. Dabei liefern häufig Fotos und Ansichtskarten Ausgangspunkte für sein Schaffen. Die eigenständigen Bildaussagen des bestehenden Bildmaterials werden in sowohl figurative, als auch freie Malerei, welche nebeneinander bestehen bleiben, transformiert. Es geht dem Künstler nicht nur um das „Was“ und „Wie“ der Darstellung, sondern insbesondere um die innere Haltung zur Malerei bzw. zum einzelnen Bild, welches immer wieder kritisch hinterfragt sein will. Diel beschäftigt sich mit der Malerei als solcher und den Möglichkeiten, die sie eröffnet.
Das Festhalten an einem Thema oder einer Malweise kann in seinen Augen folglich bestenfalls das Resultat künstlerischen Strebens, nie aber dessen Absicht sein. Seine Bilder sind fast immer mehrperspektivisch und das wiederum in mehrfacher Hinsicht. Häufig resultiert die perspektivische Mehrfachbrechung aus dem „Sampling“ verschiedener Bildvorlagen und eigener Bild(re)konstruktionen. Aspekte der Außenwelt, welche z.B. einem Foto entlehnt sind, werden mit inneren Bildern (Erfahrungen und Erinnerungen) gebündelt ins Ganze gebracht. Dadurch schleichen sich immer wieder autobiographische Aspekte in die Arbeit ein – ein willkommener Anlass, die „Echtheit“ einer Arbeit zu überprüfen. Mit jeder einzelnen Arbeit setzt sich Diel stets aufs Neue mit dessen bildnerischen Möglichkeiten auseinander. Häufig spielt dabei die Beschaffenheit der Bildoberfläche eine zentrale Rolle. Manche Arbeiten sind leicht und elegant, andere wiederum zeugen von einem langwierigen, ja fast martialischen Malakt. Es sind häufig die Spuren, welche zurückbleiben: abgekratztes und zerfetztes Papier oder Farbschichten. Zusammengenähte, geklebte oder geschraubte Bildfragmente hinterlassen nicht selten so etwas wie Narben auf der Bildoberfläche. Sie konterkarieren das offensichtliche Streben nach einem „schönen“ Bild.
Bei Lehr Zeitgenössische Kunst werden neue Arbeiten unter dem Titel „Embodiment“ gezeigt. Diel wurde auf diesen Begriff durch ein Radiointerview aufmerksam. Ein Hirnforscher berichtete darin, dass verbale Kommunikation denselben Effekt auf den Menschen hat, wie physikalische. Das heißt, dass z.B. gelobt werden dieselben Gehirnareale aktiviert, wie z.B. geschlagen werden. Insofern kann hierbei von einer Art „Verkörperlichung“ geistiger Prozesse gesprochen werden. Diel sieht hierin Parallelen zu seinem Werk. Auch in seiner Arbeit kommt es zu einer Synthese und Verdichtung geistiger Prozesse in der Malerei und damit zu einer Materialisierung geistiger Inhalte, welche sich Kraft der transformatorischen Intelligenz der Kunst vermitteln. Kurzum: Es ist eine Gedankenwelt, welche ein bestimmtes Bild kreiert und nicht ein solitärer Gedanke, der zu einen Bild führt."
(Pressetext: Lehr zeitgenössische Kunst)

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