04.03.2012 - 13.05.2012
Michael Schmidt: "Lebensmittel"
"Michael Schmidt hat sich einmal als Sackgassenfotograf bezeichnet. „Das heißt, ich latsche immer in eine Sackgasse und finde keinen Ausweg. Dann akzeptiere ich diesen Zustand, und irgendwann bin ich wieder draußen. (…) Scheitern ist in meinem Arbeitsprozess ein integraler Bestandteil.“
Mit diesen Worten beschreibt der Fotograf zwei wesentliche Elemente seiner Arbeit: Er lehnt es ab, sein eigenes Werk zu zitieren und bevorzugt mit jeder neuen Serie und der eigens dafür entwickelten Bildsprache das Risiko des Scheiterns. Und er arbeitet in Projekten, jeweils über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren, wodurch er das Risiko ein zweites Mal hinausfordert, denn: „Beim Projekt liegt das Neue, das Überraschende im Entwurf und in der Ausführung der Pläne. Es ist wagemutig, hegt große Ambitionen und hat noch keineswegs alle Mittel und Kenntnisse zur Hand, die notwendig sind, um es zur Vollendung zu bringen. (…) Ein Projekt ist explorativ, koaliert mit dem Unbekannten, und deswegen kann es auch scheitern.“ (Michael Hagner)
Im Gegensatz zu dieser Rückhaltlosigkeit des Arbeitens stehen die Fotografien selbst, die dadurch überraschen, dass sie gänzlich unheroisch sind. In den berühmten Serien „Waffenruhe“ (1985–1987) und „EIN-HEIT“ (1991–1994), beide als Einzelausstellungen u.a. im Museum of Modern Art in New York präsentiert, vermischt er die Fotografien von eigener Hand teilweise extensiv und unterschiedslos mit
Fotografien Dritter. In dem großen Fotoessay „EIN-HEIT“ über die so genannte Wiedervereinigung Deutschlands kombiniert er historische Bilder aus der Zeit des Nationalsozialismus und der Geschichte beider deutscher Staaten mit aktuellen Stadtansichten und Portraits quer durch die Gesellschaftsschichten. Projekte wie „Frauen“ (1997–1999) oder „Irgendwo“ (2001–2004) zeichnen sich, obwohl sie wie alle Serien von Michael Schmidt mit den Mitteln der schwarz-weiß-Fotografie entstanden sind, durch fast vollständiges Fehlen von schwarzen und weißen Tönen aus: Stattdessen herrscht ein Reichtum an Grautönen vor, der realistischer wirkt als es eine Farbfotografie sein könnte."
(Pressetext: Museum Morsbroich)

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