06.03.2010 - 03.04.2010
Henri Deparade

"Henri Deparade, 1951 in Halle geboren und in Dresden als Professor lehrend, erkundet die Grenzen der Malerei. In seinen aufgewühlten Kompositionen überlagern sich Linien und Farben und verdichten sich zu figürlich wahrnehmbaren Szenen. Als figurativer Informeller oder informeller Figurenmaler stellt er gewissermaßen die Leistungsfähigkeit des Mediums unter Beweis. Ihn interessiert es, wie viel Abstraktion ein realistisches Bild verträgt und umgekehrt, wie weniger Linien es bedarf, um ein zweidimensionales Artefakt plastisch wirken zu lassen.
Die dialogische Situation, in der sich die Protagonisten auf den Bildern Deparades gegenüberstehen, kann als Metapher für den Dialog der Stile und Techniken aufgefasst werden. Keinesfalls gibt es jedoch nur friedliche Koexistenz. Dass sich oft Mann und Frau in einer erotisch aufgeladenen Stimmung begegnen, geschieht nicht von ungefähr: Es herrscht nicht nur ein fortwährender Kampf zwischen den Geschlechtern, sondern auch ein
solcher zwischen Figur und Grund, zwischen Kontur und Fläche in diesen Bildern. Nicht das gleichberechtigte Nebeneinander macht das Wesen von Deparades Kunst aus, vielmehr der nie reibungslos verlaufende, eher schmerzliche Wechsel von einem Zustand zu einem anderen. Alles in dieser Malerei zielt auf die Vermeidung von Statik. Nichts scheint still zu stehen, alles in Bewegung zu sein. Die Figuren durchdringen sich, verschmelzen miteinander und mit der Malfläche, um sich wieder zu lösen und ein Eigenleben zu führen.
Die Werktitel, die Deparade gern der griechischen Mythologie entlehnt, gemahnen an die oft verdrängten Schattenseiten unserer abendländischen Kultur. Indem sie eine Projektionsfläche für kollektiv wie individuell
verdrängte Obsessionen abgeben, dienen sie einer Erweiterung des Interpretationsspielraumes."
(Pressetext: Galerie Son)
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