03.06.2010 - 18.07.2010

Klaus Winichner - Erlitten heitere Wellen

Klaus Winichner "ohne Titel (großer Mann)", 2009, Beton, Gips, Lack, divers, ca. 210 x 140 x 70 cm, courtesy Klaus Winichner und Galerie Sandra Bürgerl, Berlin
Klaus Winichner "ohne Titel (großer Mann)", 2009, Beton, Gips, Lack, divers, ca. 210 x 140 x 70 cm, courtesy Klaus Winichner und Galerie Sandra Bürgerl, Berlin

"Eine Ausstellung des Kulturamtes Charlottenburg-Wilmersdorf in Kooperation mit dem Georg-Kolbe-Museum, Berlin; Kuratiert von Dr. Marc Wellmann, Ausstellungsleiter des Georg-Kolbe-Museums.

Klaus Winichner (*1967) beschäftigt sich in seinem eindringlichen Werk mit elementaren Fragen der Bildhauerei. Die Ausgangshypothese lautet: Skulptur ist ein Körper im Raum. Offen bleibt indes, um was für einen Körper in welchem Raum es sich handelt. Das kann sowohl der menschliche Körper sein, den Winichner auf traditionelle Weise in Gegenwart eines Modells bildet, oder auch Dinge, in denen der Körper seine Spuren hinterlassen hat, wie auf dem Sperrmüll gefundene Matratzen. Der Raum wiederum kann sich sowohl gesellschaftlich manifestieren oder als konkret gebauter, architektonischer Rahmen, der sich in Form von Bauschuttfragmenten als fragil und vorläufig zu erkennen gibt. Winichner türmt diese zu großen abstrakt-monolithischen Gebilden auf, die in ihrer physischen Kompaktheit eine rätselhafte Verwandtschaft mit seinen figurativen Werken eingehen. Als Traum vom Vergänglichen und einer abseitigen arkadischen Schönheit nimmt er das Thema bei Pflanzenkübeln aus Beton auf, in denen Unkraut oder Wildbeeren wachsen.

Winichners Werke sind in der zeitgenössischen Kunst völlig eigenständig und einzigartig. Seine Körper-Bilder scheinen über Verletzungen und Versehrungen im Kontext sozialer Brennpunkte zu berichten, aber bewahren dabei eine verstörende Anmut und Würde. Ihr unbestimmter Ausdruck von Ängsten und Gewalt ist von einem geradezu poetischen Bewusstsein für Harmonie und Komposition überlagert. Die damit verbundenen Nach-erzählungen klassischer Posen und Gesten sowie ihre schiere materielle Präsenz behaupten sich gegenüber dem rohen bildhauerischen Zugriff und einem brutal erscheinenden farblichen Vandalismus.

Ebenso ambivalent 'benehmen' sich seine großen Porträtzeichnungen, die Winichner seit Jahren parallel zu seinem plastischen Werk schafft und die einerseits von einer großen Fähigkeit zu treffend genauen Charakterisierung gekennzeichnet sind und andererseits von flüchtigen, geradezu tachistischen Farbströmen. Der Bezug zum Klassischen ist bei Winichner von dem Wissen über die Unruhe und Ortlosigkeit des zeitgenössischen Bewusstseins getragen: 'Die Sujets sind vergangen und die Subjekte verloren in irgendetwas Unendlichem.' Als Leitmotiv seiner künstlerischen Arbeit führt er die Abwandlung eines berühmten Satzes von Freud an: 'Wo Ich war, soll Es sein' (statt: 'Wo Es war, soll Ich werden').

Der Titel der Ausstellung 'Erlitten heitere Wellen' ist eine freie deutsche Übersetzung von '...sofferte onde serene...', einer 1976 entstandenen Komposition für Klavier und Tonband von Luigi Nono.

Klaus Winichner wird vom 19. Juni bis 5. September 2010 im Georg-Kolbe-Museum in der Gruppenausstellung 1910 FIGUR 2010 mit einer Arbeit vertreten sein."
(Pressetext: Georg-Kolbe-Museum)

 
Georg-Kolbe-Museum
Georg-Kolbe-Museum, Foto: Astrid Busch

Georg-Kolbe-Museum

Sensburger Allee 25

14055 Berlin

Tel: +49 (0) 30 / 04 21 44

Fax: +49 (0) 30 / 30 470 41

Web: http://www.georg-kolbe-museum.de/

Öffnungszeiten

Di - So 10 - 17 Uhr

 

Eintrittspreise:
Erwachsene 5 Euro
Ermäßigt 3 Euro

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