21.06.2012 - 16.09.2012

Andrei Molodkin - "Liquid Black"

"Die Ausstellung Liquid Black zeigt sechzig Arbeiten des in Russland geborenen und in Paris lebenden Künstlers Andrei Molodkin (geb. 1966). Vor zehn Jahren, nach Abschluss seines Studiums am renommierten Stroganow-Institut für Kunst und Design in Moskau, schaffte Molodkin den künstlerischen Durchbruch. Seit 2003 stellt er sein Werk international aus und beschränkt sich in seiner Auseinandersetzung mit geopolitischen Themen nicht mehr nur auf seine Heimat Russland.

In seinen skulpturalen Objekten tauchen religiöse Motive auf wie der Christuskopf oder Bezüge zur antiken Skulptur wie dem Apoll oder der Nike von Samothrake. Zusätzlich verwendet Molodkin Begriffe wie »Demokratie« oder »Das Kapital«, die in Acrylglasblöcken eingefasst und mit Öl gefüllt sind, dem Rohstoff, der, wie kein anderer, ökonomische Zusammenhänge bestimmt und immer wieder für geopolitische Konflikte sorgt. Seine großformatigen Kugelschreiberzeichnungen gehen auf die politische und gesellschaftliche Faktographie ein und zeugen von seiner unübertroffenen Zeichenkunst.

In der Ausstellung werden ebenfalls Molodkins Installationen Transformer und Black Square gezeigt, Letztere wird im Museum Villa Stuck erstmals überhaupt der Öffentlichkeit vorgestellt. Beide Installationen sind technisch komplexe Vorrichtungen, bei denen mit Öl gefüllte Tuben mit Neonröhren verbunden werden. Molodkins Skulpturen entstehen in einer Fabrik in Südfrankreich und knüpfen damit an den Grundsatz des russischen Produktivismus an, traditionelle Formen des Kunstschaffens durch die Arbeit mit industriellen Materialien abzulösen. Dagegen entstehen die Zeichnungen während Atelierklausuren auf »gehobenen« Materialien wie Leinwand unter Anwendung einer »trivialen« Kugelschreibertechnik.

Dem Künstler gelingen immer wieder Arbeiten, in denen er eine rigorose Erkundung radikaler Techniken und technischer Erfindungen betreibt und bestimmte für den Osten wie für den Westen gleichermaßen erhebliche politische und kulturelle Fragen konsequent einer kritischen Untersuchung unterwirft. Molodkin nimmt als Künstler bewusst eine Rolle ein, in der er die Grenzen regionaler und nationaler Zusammenhänge zu überschreiten vermag und als Kontroll- und Vermittlungsstelle zwischen russischer und westlicher kultureller und politischer Semantik fungiert.

Die Ausstellung im Museum Villa Stuck ist die erste große Übersichtsausstellung zu Molodkins Werk in Europa. Gleichwohl orientiert sich die Auswahl der Arbeiten eng an den Gegebenheiten der für die Ausstellung vorgesehenen Räume, nämlich die zum Teil möblierten Privaträume und das Atelier des Münchener Künstlerfürsten Franz von Stuck. Damit knüpft die Präsentation an die Anfang der 1990er Jahre eingeleitete Serie von Ausstellungen an, in denen Künstler wie Sol LeWitt, Donald Judd oder Dan Graham sich jeweils mit Stucks Gesamtkunstwerk auseinandersetzten. In Molodkins Fall sind die Arbeiten, die von den Kuratoren für die möblierten Räume ausgewählt wurden, Stucks Malereien und Wandreliefs gegenübergestellt. Das beiden Künstlern gemeinsame Anliegen, antike und christliche Bildmotive neu zu kontextualisieren und groteske Darstellungen allgemeingültiger menschlicher Erfahrungen zu schaffen, ist so hervorgehoben. Molodkins durch »flüssiges Schwarz« gefärbte Plastiken verschmelzen mit Stucks dunklen, durch zahlreiche schwarze dekorative Akzente gekennzeichneten Interieurs und lassen diese gleichzeitig in einem neuen Licht erscheinen.

In den Ausstellungsräumen im 1. Obergeschoss sind explizit politische Arbeiten Molodkins zu sehen – wie Democracy (2005), eine Arbeit, die durch den »arabischen Frühling« noch an geopolitischer Relevanz hinzugewinnt, sowie Flag of Europe (2008), eine mit Öl übergossene Fahne, die von der gescheiterten Utopie der Einigung Europas kündet. Ein Wirrwarr aus mit Öl gefüllten Schläuchen verbindet diese beiden Arbeiten mit der Skulptur Das Kapital (2008), einem Sinnbild des aktuellen Finanzkollapses."

(Quelle: Pressetext)

 
Vernissage am 20.06.2012 ab 19:00 Uhr
Villa Stuck
Museum Villa Stuck, München, Außenansicht, fotografiert von Jens Weber, München

Villa Stuck

Prinzregentenstraße 60

81675 München

Tel: +49 (0) 89 / 455 551 0

Fax: +49 (0) 89 / 455 551 24

Web: http://www.villastuck.de

Öffnungszeiten

Di - So 11 - 18 Uhr

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