24.08.2012 - 29.09.2012

Roger Eberhard - "Once It Held Laughter – Once It Held Dreams"

“Once it held laughter, once it held dreams. Did they throw it away, did they know what it means”
- Tom Waits, aus House Where Nobody Lives

"Die Christophe Guye Galerie freut sich, Ihnen mit der nächsten Ausstellung das Schweizer Nachwuchskünstler Roger Eberhard präsentieren zu dürfen. Onc e It Held Laughter – Once It Hel d Dreams ist die erste Soloausstellung des Künstlers in der Galerie und zeigt Eberhards neueste Werkgruppe welche einen kritischen Blick auf eine staatlich vorgegaukelte Idylle und die herrschaftliche Konstruktion von Harmonie wirft. Angeregt von dem scheinenden Vorstadt-Ideal des Dorfes Neuenfelde ausserhalb von Hamburg vereinen Eberhards Arbeiten Vergangenheit mit Gegenwart und rücken die Auswirkungen der Globalisierung und deren teils rätselhaften Folgen in den Vordergrund. Mit technischem Können schafft es der Künstler Klangbilder mit Landschaftsfotografie zu verbinden: leise und bedacht bebildert diese in dreigeteilte Werkserie zugleich den nicht auszuhaltenden Lärm, eine erdrückende Leere und die Absurdität unsinniger Handlungen.

Mit Freude präsentiert Ihnen die Christophe Guye Galerie die kommende Soloausstellung von Roger Eberhard (*1984). Once It Held Laughter – Once It Held Dreams zeigt eine Auswahl von Fotografien die gemeinsam betrachtet die Geschichte eines modernen Geisterdorfes darstellen. An die Worte von Tom Waits angelehnt, ist die neuste Arbeit des jungen Schweizer Künstlers eine kontemplative Anspielung auf die Absurdität politischer Beschlüsse, welche konzeptionell aufgebaut zum Nachdenken anregt.

Vor rund zehn Jahren kaufte die Stadt Hamburg 67 Häuser im Dorf Neuenfelde, womit Klagen gegen den Pistenausbau des nahe gelegen Airbus-Werks verhindert werden sollten. Seither steht der Stadtteil im Bezirk Harburg halbleer. Neuenfelde ist nachgerade zum Geisterdorf verkommen; zum potemkinschen Dorf. Auf den ersten Blick ist die Vorstadt-Idylle zwar perfekt, doch beim näheren Betrachten fällt auf: Wo sind die Gardinen in den Fenstern? Weshalb sind die Blumenbeete leer? Längst ist jedes Leben aus den Häusern gewichen; sie selbst sind längst nur noch eine Hülle der Vergangenheit.

Für seine neuste Werkserie hat Eberhards diese staatlich vorgegaukelte Idylle zum Thema genommen. Wie die visualisierte Perfektion – mit gemähten Rasen, Lichtern welche gelegentlich an- und ausgehen und Wachmännern die nachts patrouillieren – erscheinen auch Eberhards Bilder makellos. Bestehend aus drei sich ergänzenden Motiven – leerstehenden Häuser, gepflanzten Bäumen und abstrakten Klangbildern – weisen sie auf unterschiedliche Art auf die Problematik des Dorfes Neuenfelde hin.

Eberhard lässt mit seiner Arbeit das New Topographic Movement der US-Fotografen aufleben die in den Siebzigerjahren einen neuen Blick auf die Landschaftsfotografie suchten und sich statt auf die unberührte Landschaft und Natur zu konzentrieren sich Plätzen und Landschaftsausschnitten zuwandten welche vom menschlichen Eingriff gekennzeichnet waren. Frontal rückt der Zürcher Fotograf die verlassenen Häuser ins Bild, Ed Ruschas Every Building on the Sunset Strip evozierend. Als Ergänzung, in Chladnischen Klangfiguren, die mittels zermahlenen Steinen und Ziegeln aus der Region entstanden, gelingt es Eberhard, dieses Grollen, das über die tote Strasse rollt wie ein zürnender Donner durch wuchtige ornamentale Klangbilder in eine geradezu groteske Form zu bringen. Im dritten und letzten Teil von Once It Held Laughter – Once It Held Dreams legt der Künstler den Fokus auf die umliegende Landschaftsarchitektur. Denn just zeitgleich mit dem Aufkauf der Häuser und dem daraus resultierenden Leerstand liess die Stadt in regelmässigen Zeitabständen, direkt gegenüber jedem Wohnobjekt, einen Baum pflanzen.

Dienen diese Bäume als ein sich nun erübrigender Sichtschutz, oder schmücken sie lediglich die entvölkerte Strasse? Oder sollen sie vielleicht ein Wiedererstarken der Natur suggerieren? Das Pflanzen der Bäume ist eine ähnlich irritierende Handlung wie das stetige Sanieren der verlassenen Häuser, dient es doch ebenfalls einer herrschaftlichen Errichtung von Harmonie. Vereint werden verschiedene Sichtweisen; durch Technologie, Natur und Mensch verkörpert. Und schlussendlich, wie der Zirkel der Klangbilder, wird der Kreis geschlossen: der Dominoeffekt wird poetisch und ohne Direktheit, aber mit klaren Worten dargelegt.

Der in Zürich und Berlin lebende und arbeitende Schweizer Künstler Roger Eberhard wurde 1984 in Zürich geboren. Ein Absolvent des Brooks Institute of Photography, Santa Barbara, gewann Eberhard 2009 den Swiss Photo Award in der Kategorie „Free“, und im selben Jahr Teilnehmer der Hearst Biennial in New York. Seine Arbeiten wurden schon in zahlreichen Gruppen- und Soloausstellungen gezeigt, wie in der Gallery Jones, Vancouver, der Michael Mazzeo Gallery, New York, bei SCALO|GUYE, Los Angeles, und im Museum für Kommunikation, Bern. Ob eingestürzte Wassertürme, verlassene Gebäude, Menschen denen von der Gesellschaft die kalte Schulter gezeigt wird, oder forcierte Natur: Einsamkeit, Isolation und Leere sind der roten Faden durch Eberhards Werk bis dato. So unverkennbar die Stimmung, so abwechslungsreich dafür seine Bildsprache, und seine Arbeit jedes Mal überraschend anders. Und dennoch gelingt es dem Künstler die gleiche Stille und Verlassenheit festzuhalten, wenn auch der einst träumerische Blick einem nüchternen gewichen ist."

(Quelle: Pressetext)

 
Vernissage am 23.08.2012 ab 18:00 Uhr
Christophe Guye Galerie
Innenansicht, Christophe Guye Galerie, Zürich

Christophe Guye Galerie

Dufourstrassse 31

8008 Zürich

Tel: +41 (0) 44 / 252 01 11

Fax: +41 (0) 44 / 252 01 09

Web: http://www.christopheguye.com

Öffnungszeiten

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Sa 12 - 18 Uhr

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