24.10.2009 - 05.12.2009
Sharon Klivland - Reisen

"Sharon Kivland, geboren als amerikanische Staatsbürgerin in Deutschland, lebt und arbeitet in London und Frankreich. Neben ihrer Tätigkeit als Künstlerin, Autorin und Kuratorin widmet sie sich ebenso der theoretischen Auseinandersetzung: Sie unterrichtet Kunst an der Sheffield Hallam University und ist Forschungsmitglied am Centre for Freudian Analysis and Research in London. Aktuell ist Sie zusätzlich als Gast-Mitarbeiterin am Institute of Germanic and Romance Studies an der University of London. Sie hat an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen in Europa und Nordamerika teilgenommen.
Sharon Kivland untersucht in ihrem Werk, wie unser Leben bestimmt ist von Ordnungssystemen, die einander ergänzen, überlagern und widersprechen und kontinuierlichen Veränderungsschüben unterliegen: Dazu gehören Bereiche wie Sprache, Gender, Raum/Zeit, Kunst, Philosophie, Politik, Natur, Geschichte, Wirtschaft etc. Den Fokus dieser Annäherung repräsentierten die Identität der Frau und ihr Körper in der ersten Einzelausstellung in Deutschland, „L’Autre Corps“ 2003 in der Galerie Bugdahn und Kaimer. Die Galerie präsentiert nun unter dem Titel „Reisen“ neue Arbeiten von Sharon Kivland, in denen sie das Thema, in Serien fotografischer Arbeiten bzw. wiederfotografierter Bilder, erforscht.
„Freud Dreams of Rome“, 2007, eine Serie von 11 fotografischen Radierungen, in einer Auflage von 3 (eine Serie gerahmt, zwei Serien als Portfolio), wurde 2007/08 im Freud Museum in London ausgestellt. Als Sigmund Freud im Jahr 1901 zum ersten Mal in Rom ankam, hatte er bereits viele Jahre von der Stadt geträumt. Freud schreibt in „Die Traumdeutung“: ‚Ein Traum ist die Erfüllung eines Wunsches’. Vier Träume drücken seine noch unerfüllte Sehnsucht nach Rom aus. In jedem dieser Träume ist seine Sicht der Stadt jedoch auf merkwürdige Weise verzerrt - sein ‚Rom’ ist in eine alpine Landschaft gestellt oder hängt voller deutscher Plakate. Freud machte keine Fotos während seiner Ferien, kaufte sich aber Kupferstiche. Sharon Kivlands Radierungen zeigen uns ein Rom, das wir vorher noch nicht gesehen haben oder so niemals bewusst wahrgenommen haben. Die Ansichten sind Reiseführern entnommen, die aus der Zeit von Freuds sieben Besuchen stammen. Es sind Blicke auf die Stadt, wie sie jeder Tourist sehen kann. Sharon Kivland aber hat sie von jeder menschlichen Aktivität entleert - als ob es nächtliche Szenen in hellem Tageslicht wären. Auch sind sie auf eigenartige Weise beschnitten. Unbewohnt enthüllen sie nur Sackgassen, dunkle Innenhöfe, Gebäudeecken. Die leeren Torbögen und versteckten Türeingänge deuten auf verborgenes Leben. Freuds Traum von Rom war eine unwirkliche Stadt, geschaffen aus seinen Ängsten, Wünschen, Erinnerungsfetzen des vorherigen Tages. Sharon Kivlands Rom ist die wirkliche Stadt, aber dieser Ort ist der Ausdruck versteckter geistiger Aktivitäten.
„Reisen I“, 2009, 10 Schwarz-Weiß-Fotografien, gerahmt, jede ein Unikat in einer fortlaufenden Serie. Aus der Sammlung der Künstlerin von Postkarten mit europäischen Dampflokomotiven. Die Sicht auf die Züge ist zum großen Teil entfernt und hinterlässt den verschwommenen Hintergrund mit der hervorgerufenen Wolke aus Dampf. Man stellt sich vor, wie Freud und sein Bruder Alex durch Europa reisen, wie ihre Herzen sich in jedem Frühling und Sommer nach Süden wenden. Alex hatte ein bemerkenswertes Wissen über die Zugfahrpläne jener Zeit.
„Reisen II“, 2009, 10 Schwarz-Weiß-Fotografien, gerahmt, jede ein Unikat in einer fortlaufenden Serie.
Aus der Sammlung der Künstlerin von Postkarten schneebedeckter Berge aus verschiedenen Ländern.
„Reisen III“, 2009, 6 Schwarz-Weiß-Fotografien, gerahmt, jede ein Unikat in einer fortlaufenden Serie.
Aus der Sammlung der Künstlerin von Postkarten mit Schweizer Seen.
„Reisen IV“, 2009, 3 Serigrafien, jeweils in einer Auflage von 3, Anzeigen Schweizer Hotels, circa 1907.
„Mes Bonnes Anneés“, 2009, Aquarelle auf Arches Büttenkarton, originale Postkarten, 15 gerahmte Arbeiten, jede ein Unikat in einer fortlaufenden Serie. Die Aquarelle sind Kopien von Postkarten, die als Grüße zu Neujahr in Frankreich verschickt wurden. Die Künstlerin arbeitet dabei aus der Erinnerung. Sie schaut die Karte lange an und versucht das gesehene Bild zu registrieren. Dann dreht sie die Karte um und liest die Mitteilung, die an einen Verwandten oder Freund geschrieben wurde. Die Bilder zeigen meist verschneite Szenerien, mit einem Haus, einer Kirche, ein Wald, vielleicht einen Pfad; die ziemlich idyllischen Ansichten bekommen in ihrer neuen Form einen Aspekt von Fremdartigkeit. Das Originalbild bleibt verborgen, die geschriebene Mitteilung ist sichtbar."
(Pressetext: Galerie Bugdahn und Kaimer)

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