21.10.2009 - 21.11.2009

Corinna Korth | Kulturfolger

Ausstellung Corinna Korth, 2009, Tinderbox Contemporary Art, Hamburg
Ausstellung Corinna Korth, 2009, Tinderbox Contemporary Art, Hamburg

"Die erste Einzelausstellung der Hamburger Kuenstlerin Corinna Korth bei tinderbox wird den Ausstellungsraum zugleich in einen Erfahrungs- und Dokumentationsraum, ein Ahnen- und Gruselkabinett, ein Kino sowie in eine Ausstellung voller Poesie und Fabelhaftem verwandeln.


Homo sapiens, der Vernunftbegabte, neigt dazu, das Menschsein in Abgrenzung zu den Tieren zu definieren. Menschliches Verhalten und die damit verbundenen Wertesysteme werden haeufig als ehrenwerter und vernuenftiger betrachtet als das tierische „wilde“ Leben. Der ausgewilderte Einzelgaenger (engl. rogue – Schurke) findet sich im politischen Schlagwort „Schurkenstaat“ wieder, das auf Unberechenbarkeit und mangelnde Anpassungsbereitschaft abzielt, die als tierisch empfunden werden. Als Mischwesen zwischen Tier und Mensch befindet sich Corinna Korth in der Schwebe zwischen Wildnis und Zivilisation, ganz so, als sei sie ausgewildert und muesste sich wieder im menschlichen Lebensraum eingliedern oder umgekehrt.


Dabei hatten wir Menschen, bevor wir Opfer oekonomischer Gesetzmaeßigkeiten wurden, zivilisatorische Wurzeln, die Kultur und Natur in Einklang zu bringen suchten. Blicken wir auf die Ahnen der Mischwesen, die zurueckreichen bis in mythologische Zeiten, bis zu den Kentauren, zu Minotaurus, Anubis und der langen Reihe stolzer Werwoelfe, dann muessen wir auch, nicht ohne Wehmut, unserer eigenen kulturellen Traditionen gedenken, die in grauer Vorzeit liegen, verschuettet von Infotainment, Gameboys und Popkultur. Wir Menschen haben es weitgehend geschafft, Natur und Kultur hinter uns zu lassen, waehrend die Mischwesen noch, hin- und hergerissen zwischen diesen beiden Welten, auf der Suche nach ihrer Identitaet sind.

Seit Corinna Korth 1999 durch einen Zeitungsartikel auf die Bemuehungen um Wiedereinbuergerung von Woelfen in Deutschland aufmerksam wurde, hat sie sich um einen der begehrten Plaetze beworben und eineinhalb Jahre lang die Muehlen der Buerokratie durchlaufen, um als Canis Lupus eine Aufenthaltsgenehmigung und eine Arbeit in Deutschland zu finden. Nach einer vorlaeufigen Aussetzung der Abschiebung hat sie ihr Sprachdiplom absolviert, sich an der Hochschule fuer bildende Kuenste in Hamburg eingeschrieben, Impfungen ueber sich ergehen lassen und Gesundheitszeugnisse erhalten, um schließlich nach einer Feststellung der Personalien und der Eroeffnung eines Sparbuchs einen Job als Schafshirte anzunehmen - der Beginn ihrer kuenstlerischen Karriere."
(Pressetext: TINDERBOX Contemporary Art)

 
TINDERBOX Contemporary Art
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