08.09.2009 - 10.10.2009

TODD NORSTEN|„Drunkasaurus“

Todd Norsten "Dunkasaurus", courtesy tinderbox, Hamburg
Todd Norsten "Dunkasaurus", courtesy tinderbox, Hamburg

„In Wirklichkeit liebe ich die Malerei. Und ich hasse Kunstfertigkeit. Es gibt viele Maler die voller Scheisse sind. Das Benutzen von Farbe als Material ist definitiv komplizierter als ich vergleichsweise Anerkennung dafür bekomme. Im Leben und in der Malerei gibt es Menschen, die Extravaganzen und Affektiertheiten nutzen und solche, die direkt und effizient sind. Ich wuerde gern zu der zweiten Gruppe gehoeren. Lange habe ich nicht mehr reingelesen, aber sofern ich mich erinnere, trifft „Nietzsche contra Wagner“ es sehr gut. Meine extrem reduzierte Version dessen, was das Buch aussagt, geht so: Mach keinen scheinheiligen Wirbel um zu beeindrucken. Sei direkt und taeusch kein Drama vor um Inhaltsleere zu verdecken. Ich benutze Farbe als Material, nicht um schoene Bilder zu machen. Farbe wird von Menschen benutzt um beispielsweise Raeume zu tuenchen oder Schilder zu machen. Sie ist ein Material, das eine Menge Dinge direkt ausdruecken kann. Ich glaube, „Kunstmenschen“ wollen sich das Material Farbe oft nur auf ihre spezielle Art zunutze machen. Eines der Dinge, die immer und immer wieder in meinem Kopf auftauchen, ist ein Kommentar, den Frank Stella angeblich mal zu Carl Andre über "alltaegliche" Materialien gesagt haben soll, die auch Skulptur seien. So denke ich ueber Farbe.“
(Todd Norsten)

"Todd Norstens kuenstlerische Arbeit beginnt damit, Schnappschuesse zu machen, die ein stetig wachsendes visuelles Tagebuch bilden. Aus Fotos von Werbetafeln aller Art, Materialien, Objekten, Postern etc. bildet er ein spontanes digitales Skizzenbuch. Indem er Woertern und Bildern ihren originalen Kontext entzieht und sie neu „rahmt“, oeffnet Norsten die Moeglichkeiten von Sprache und Bild. Er behandelt Wort und Schrift als ein visuelles Register mit abstrakter Schoenheit. „Das vordergruendige Anliegen Norstens ist es, Sprache und die Wahrnehmung von Korrektheit zu untergraben und so das Ausmass, in welchem das Konzept Sprache eigentlich unsere Erkenntnis ueber uns selbst und andere definiert, deutlich zu machen.“

„Es gibt eine natuerliche Verbindung zwischen Malerei und Literatur. Als Betrachter neigt man dazu, Bilder wie Texte zu lesen, programmatisch Zeichen zu uebersetzen, die abgeglichen werden, um Sinn zu machen. Trotzdem unterscheiden sich visuelle und geschriebene Sprache in ihrem jeweiligen Drang nach Lesbarkeit und einer ultimativen Aussage. Doch ist es die Spontaneitaet des gesprochenen Wortes mit seiner Betonung, seinem Tempo, seiner „Unvollkommenheit“ und seinem geistreichen Humor, die eine natuerliche Allianz mit der bildnerischen bzw. malerischen Welt eingeht. Es ist die kreative Freundschaft zwischen Bild und Sprache, auf die Todd Norsten in seinem neuesten Werkkomplex aufbaut und in dem die bestechende Knappheit und Schaerfe von Bildern und Aeusserungen von bitterboeser Kritik bis zu hoechstem Humor reicht. Seine Arbeiten veranschaulichen Gedanken, die unseren eigenen Gedanken erschreckend aehnlich sind: manchmal ungewiss, abstrakt, ehrlich und bisweilen unangebracht.

Todd Norsten ist ein durchaus unorthodoxer Maler, der mit F arbe zeichnet und die Konventionen des Mediums ueberschreitet, das sich durch sein traditionelles Beharren auf uebereinander gelagerten Flaechen auszeichnet. Norstens Herangehensweise an die Malerei basiert auf konturierenden Linien und Transparenz, die ueber und unter Flaechen hervorkommt, sowie vor allem einem hybriden Status zwischen Malerei und Zeichnung.“

Letztendlich feiern die Malereien als formale Uebungen das Erweitern der Limits bezueglich der Herstellung von Kennzeichen und befruchten die Moeglichkeiten der Malerei. Norsten erreicht sozusagen die Kernspaltung, indem er reichhaltige, weisse Untergruende – entstanden ueber eine langen Zeitraum und niemals einander gleichend – und eher spontan gerenderte Subjekte einander gegenueberstellt. Dennoch kann man sagen, dass die weissen Oberflaechen ebenso die Subjekte der Arbeiten sind. Eine Tatsache, die sich ueber die Zeit offenlegt.

Die Faehigkeit des Kuenstlers, high und low auszubalancieren, kreiert eine endlos verblueffende Linse, durch die man die Arbeiten sehen kann. Die bescheidenen Provenienzen seiner Bildgegenstaende werden als Hilfsmittel benutzt um geheimnisvolle Grundsaetze modernistischer Malerei zu eruieren. Und das high beschuetzt das low davor, formal zu festgelegt, zu schrill oder zu beruecksichtigend in seiner kulturellen Verortung zu erscheinen – und umgekehrt."

„ Die Nicht-Anerkennung, koennte man sagen, ist das Zentrum von Todd Norsten´s Bildverstaendnis und seiner Arbeit als Maler. Die meisten Malereien sind gekennzeichnet durch die Abwesenheit absoluter Loesungen, formale Kuehnheiten und Bild- bzw. Schriftelemente, die ihre Bedeutung nur fragmentarisch erschliessen, um dem Betrachter ein respektloses Lachen zu erlauben. Am Ende erinnern diese Arbeiten den Betrachter daran, dass es keine fruchtlose Rede ohne Humor geben kann, oder, wie der Kuenstler zugibt: „Es ist schwer, mit einem Sinn für Humor zu arbeiten. Es muss lustig, laecherlich, absurd, fein, scheisse, schmerzhaft, boese und schoen sein“.“

Norsten, geboren 1967 in Minnesota, ist also ein unfassbarer Humorist. Aber auch ein Moralist in Maskerade, der aesthetische und humanistsische Ideen seziert mit der paradoxen Zielsetzung, seine Zweifel mit uns zu teilen und uns mit seinem Ekel sowie zugleich und vor allem seiner Glueckseligkeit zu erfuellen. Nachdem er die Kunstakademie von Minneapolis beendete, hatte er zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in den USA und Asien, beispielsweise im Midway Contemporary Art Center / Minneapolis / USA, im Walker Art Center / Minneapolis / USA und in der Arario Gallery / Seoul / Korea. 2006 nahm er an der vielbesprochenen Whitney Biennale „Day for Night“ teil. „Drunkasaurus“ ist seine erste Praesentation in Europa. Zu sehen sein werden neue Malereien und Zeichnungen, die einerseits formal subtil, leisetreterisch und teils beinahe minimalistisch erscheinen und die uns andererseits entfuehren in eine bestechende Welt bezueglich der Frage, was Malerei auch sein kann. "
(Pressetext: TINDERBOX, Hamburg)

 
TINDERBOX Contemporary Art
TINDERBOX Contemporary Art

TINDERBOX Contemporary Art

Billwerder Neuer Deich 72

20539 Hamburg

Tel: +49 (0) 40 / 52 59 93 81

Fax: +49 (0) 40 / 52 59 93 82

Web: http://www.tinderbox-art.com

Öffnungszeiten

Di - Fr 10 - 18 Uhr
Sa 11 - 15 Uhr

ANZEIGE