16.04.2010 - 30.05.2010
ANJA TESKE | Juwelias Blumen - Fotografien

"Beim Versuch des Verstehens dieser besonderen Art der fotografischen Werke kommt mir der bekannte Aphorismus 'die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden' von Friedrich Nietzsche in den Sinn.
Schon ihre Arbeit über das Hotel Balzer machte mit der hohen Sensibilität der fotografischen Arbeitsweise von Anja Teske bekannt. Die Künstlerin hat eine besondere Eigenart ihr Gegenüber - sei es nun ein Raum, eine Ansammlung von Gegenständen oder eine Person - zu fotografieren, als rutschte es gerade aus dem Bild und würde doch behutsam gehalten. Dieser Eindruck entsteht durch die eigenwilligen Anschnitte, die leicht gekippte Blickachse und ein sachtes Aus-der-Mitte-Rücken. Es ist ein vorsichtig schweifender Blick, der kaum innezuhalten wagt und dennoch höchstes Interesse für die sich ihr bietende Situation bezeugt. Alle ihre Fotografien wirken wie mit größter Vorsicht aufgenommen. Seien es die erwähnten, stillen Aufnahmen, die Anja Teske kurz vor der Entrümpelung und dem Abriss des Hotels in Bad Ems machte, die ungemein meditativen Portraits von Menschen in mitten einer Kirche, oder aber die laute Serie der Kalamitäten mit Staubsaugern, die zwar unruhig, kraftvoll und gespannt, aber ebenso fragil wirken. Oder ihre Arbeit mit Juwelia. Alles bleibt flüchtig und dennoch für den Moment und damit für die fotografische Ewigkeit konserviert. Es könnte auch sein, dass den aufgenommenen Menschen wie den Interieurs etwas zu entgleiten droht: Zeit, Würde, Geltung - oder dass augenblicklich etwas entgleist. Alles wirkt gefasst und gleichzeitig labil.
Dadurch kann sie Nähe und Abstand, Intimität und Diskretion gleichzeitig in ihren Fotos hervorheben. Es entsteht für den Betrachter ein kaum zu lösender Zustand der Spannung. Das Bekannte wirkt fremd, das Vertraute nur etwas entrückt und dadurch unheimlich. Sie erzeugt damit Interesse und Neugier und fordert Sensibilität, jedoch bleibt alles im Vagen, als seien es Momente in der Schwebe - und die Aufgenommenen könnten sich schon nicht mehr an das Geschehene, das Wie und Wo erinnern. Alles ist konzentriert und dennoch flüchtig. Sie setzt den 'Decisive Moment', um den sich doch, seit Henry Cartier-Bresson ihn versucht hat zu definieren, häufig alles dreht in der Fotografie, außer Kraft, indem sie die Bestimmtheit und die Balance in Frage stellt.
Anja Teske gelingt mit ihrer besonderen fotografischen Begabung das Sich-Gewahr-Werden und das Abhandenkommen von Stille, die Sehnsucht nach Ruhe, wie das Innehalten, das Heraustreten aus der realen Welt, um ganz bei sich selbst zu sein, das Ersterben oder auch das Erkennen innerer wie äußerer Leere, festzuhalten. Dieser Moment neben der Spur, der alle ergreift, die vor der Kamera, wie die Betrachter, kann sich im Abbild einstellen. Das macht die Werke so kostbar."
(Pressetext: Frank Wagner / Ausstellungsraum Jürgen Bahr)

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Web: http://www.juergenbahr.com

