30.10.2010 - 07.12.2010
heaven can wait
Henrik Eiben
Janus Hochgesand
Holger Niehaus
Todd Norsten
Sally Osborn
Marina Rheingantz
Richard Tuttle
Fred Sandback
Daniel Wogenstein
"Unter dem Leitmotiv der Abstraktion, dessen heutiges Verständnis und Erscheinungsbild in diesen Zeiten sein 100jähriges Jubiläum feiert, präsentiert die Ausstellung 'heaven can wait' eine Zusammenstellung von jungen, mid-career- sowie zwei historischen Künstlern von den 1960er Jahren bis heute. Sie soll einen kleinen Überblick verschaffen bezüglich verschiedenster Herangehensweisen an Ideen von Abstraktion von beispielsweise auf den ersten Blick figurativer Malerei oder Bildhauerei bis zu den radikalsten Ideen des Minimalismus.
Die oft als poetisch bezeichneten Skulpturen, Zeichnungen und Objekte von RICHARD TUTTLE (* 1941 in Rahway, New Jersey, USA, lebt und arbeitet in Santa Fe und New York) sind ein Kategorisierungsversuch über ein künstlerisches Werk, das weder einer Richtung oder einem 'Ismus' zuzuordnen ist, noch wäre das aufgrund grundsätzlicher und enormer Eigenständigkeit machbar oder von Nutzen. Von seiner ersten Einzelausstellung 1965 in der New Yorker Betty Parsons Gallery bis zum heutigen Zeitpunkt gibt es wenig Erfolge, die Tuttle – und das zu Recht - nicht feiern konnte.
Ähnliches gilt für FRED SANDBACK (* 1943 in Bronxville, New York, USA, gest. 2003 in New York), einen Vertreter des Minimalismus der ersten Stunde, der in seiner Radikalität und Progessivität in einer Reihe mit Donald Judd, Dan Flavin und Sol LeWitt zu sehen ist. Seine Skulpturen aus Wollfäden, die Räume völlig neu zu definieren vermögen sowie seine Papierarbeiten in Form von Konstruktionszeichnungen und einfach auch nur an und für sich wunderbaren, für sich stehenden Papierarbeiten, tragen einen wesentlichen Teil zur Entwicklung der bildenden Kunst bei.
Die Arbeiten des Fotografen HOLGER NIEHAUS (* 1975 in Nordhorn, lebt und arbeitet in Berlin) nehmen in der Ausstellung insofern eine wichtige Position ein als dass ja auch immer die Geschichte des Mediums, in dem man arbeitet, mitschwingt in dem was man aktuell und progressiv tut. Insofern ist in diesem Zusammenhang interessant, dass ja die Entstehung der (künstlerischen) Fotografie einen nicht ganz unerheblichen Teil zur Entstehung der Abstraktion beigetragen hat. Sowohl die abstrakten Arbeiten als auch beispielsweise die Fotografien von Blumenarrangements von Holger Niehaus haben immer einen starken Bezug auch zu malerischen Ideen, seien es die von Barnett Newman, Elsworth Kelly oder den niederländischen und flämischen Stillebenmalern des Barock.
JANUS HOCHGESAND (* 1981 in Dierdorf, lebt und arbeitet in Hamburg) ist seit relativ kurzer Zeit der Klasse Tobias Rehbergers an der Frankfurter Städelschule entsprungen und hat seitdem nicht nur den von sich Reden machenden 'Kunstverein Mauritius' mitbegründet, sondern ist auch Preisträger der Städelschule, der Stiftung Kunstfonds sowie für 2011 des Rheinland-Pfalz Stipendiums. Hochgesands Skulpturen und Plastiken bestehen nicht nur aus den ungewöhnlichsten und verschiedensten Materialien wie Caprisonne-Tüten, Koffern, Pelz, Pigment, Pfauenfedern, Hasendraht oder Mullbinden, sie neigen dennoch auch zur Abstraktion und das obwohl sie sehr viel Persönliches in sich tragen und zugleich wichtige Ideen hinsichtlich der Frage, was Bildhauerei heute sein kann, aufwerfen. Hochgesands für die Ausstellung entstandene bildhauerische Arbeite 'lack of knowledge' ist der Gegenentwurf zur Risikobereitschaft einer Gesellschaft, die gegen Null tendiert, eine skulpturale Kritik an unser rational geprägtes Denken, die das Nützlichkeitsprinzip in Frage stellt.
MARINA RHEINGANTZ (* geboren 1983 in Nasceu em Araraquara, Brasilien, lebt und arbeitet in São Paulo) ist eine sehr junge brasilianische Malerin, die ausgesprochen vielversprechend und entsprechend erfolgreich arbeitet. Obwohl die Arbeiten der Künstlerin, oft in eher gedeckten Farben und nur scheinbar mit viel Spontaneität gemalt, zumeist figürliche Elemente aufweisen, geht es immer um Abstraktion. Relativ schnell wird deutlich, dass die Malerei von Marina Rheingantz nicht mehr will als Malerei eben kann: nämlich Farbe und Fläche sein.
Ähnliches gilt für DANIEL WOGENSTEIN (* 1977, lebt und arbeitet in Karlsruhe und Ulm), der sich offensichtlicher auf nicht-figürliche Malerei konzentriert. Oft allerdings haben seine Bildelemente ihre Ursprünge in der realen Welt. Wogenstein ist ständig auf der Suche nach einfachen und vor allem neuen Lösungen in seiner Malerei, doch bleibt auch er stets mit grosser Konsequenz der Idee treu, dass Malerei sich mit Fragen über Darstellbarkeit, Fläche, Farbe, Seh- und Denkprozessen und nicht mit solchen über Dekoration und vor allem nicht mit solchen, die bereits gestellt worden sind, auseinanderzusetzen hat.
HENRIK EIBEN (* 1975 in Tokyo, lebt und arbeitet in Hamburg) hat das Feld der Materialien, die er für seine Wandarbeiten, Malereien, Zeichnungen und Skulpturen rekrutiert, in den letzten Jahres seiner noch jungen Karriere von verschiedensten Stoffen auf Keramik, Glas und Metall erweitert. Seine bildkünstlerische Heimat ist eine Art der Abstraktion, die von minimalistischen Ideen stammt und den Versuch unternimmt, die Theorie des Minimalismus in zeitgenössische Zusammenhänge zu übertragen. Dabei fehlt es ihm nicht an einem gewissen Augenzwinkern im Umgang mit der Stringenz des Minimalismus, die allerdings nicht in Richtung einer Klamauk-Ebene umschlägt, sondern einfach grosse Leichtigkeit und Esprit anstrebt.
TODD NORSTEN (* 1967, lebt und arbeitet in Minneapolis, MN, USA) fotografiert die ihm ungewöhnlich, verrückt und bizarr erscheinenden Dinge der Welt in rauen Mengen mit seinem iPhone. Als eine Art Extrakt daraus entstehen Zeichnungen auf exklusivem Japanpapier und aus den allerbesten dieser Papierarbeiten wiederum werden Malereien in verschiedenen, teils sehr grossen Formaten generiert. Inhaltlich reichen Norstens Themen von typographischen Formen über figürliche Elemente bis zu Abstraktionen, welche unter anderem auf die Gegebenheiten und die Geschichte der Malerei und speziell den amerikanischen abstrakten Expressionismus Bezug nehmen. Selten fehlt Norstens Arbeiten ein enormer Humor, doch immer ist dieser gepaart mit äusserst sensibler, progressiver und auf den Punkt gebrachter Malerei.
Leidenschaftlich plaziert und miteinander choreografiert gehen die Arbeiten von SALLY OSBORN (* 1963 in England, lebt und arbeitet in Berlin und Glasgow, UK) über coolen Formalismus weit hinaus. Begleitet von feinfühliger und eleganter Aufrichtigkeit setzt die Künstlerin fragilste, fast selbstzerstörerische Materialien wie Taschentücher, verdampfendes und reflektierendes Wasser, Glühbirnen, Silberfolie, Seide, aber auch Holz, Ton, der austrocknet, Wachs, Gips und herbstliches Laub ein. Ob die Umgebung den Zustand der künstlerischen Arbeiten beeinflusst oder die Kunstwerke die Atmosphäre des Raumes dominieren und definieren, ist eine der zentralen Fragestellungen. Zum Teil werden Arbeiten im Studio angefertigt, aber immer auch in situ, um auf den Kontext zu reagieren, die Installation zu inszenieren und dem Betrachter eine bessere Sinneswahrnehmung zu ermöglichen. Die gegenseitige Befruchtung durch intuitive Praxis und einen sich ständig erweiternden Horizont aus kulturellen, politischen, historischen, wissenschaftlichen, anekdotischen und mythologischen Recherchen ist dabei äußerst bedeutsam.
Wir sind besonders glücklich, einige vielversprechende junge Künstler und Künstlerinnen aus dem Galerieprogramm und darüber hinaus in Zusammenhang mit zwei Grössen des 20. bzw. 21. Jahrhunderts setzen zu können und meinen, auf diese Art interessante Denkprozesse freizusetzen."
(Pressetext: Tinderbox Contemporary Art)

Billwerder Neuer Deich 72
20539 Hamburg
Tel: +49 (0) 40 / 52 59 93 81
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Web: http://www.tinderbox-art.com
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Di - Fr 10 - 18 Uhr
Sa 11 - 15 Uhr

