20.11.2010 - 22.01.2011

Karen Irmer "nicht zu sehen"

"Karen Irmers fotografische Bildwelt ist eine, die von sich zu behaupten scheint, nur die Reminiszenz einer solchen zu sein. Ihre auf Alu Dibond kaschierten, bis zur Unkenntlichkeit verdunkelten oder mittels diffuser, nebulöser Grautöne der Auflösung nahe gebrachten Motive lassen den Betrachter beunruhigt zurück über der Unmöglichkeit des Erkennens. Als solcher ertappen wir uns dabei, der Erwartung Folge zu leisten, mit aller Bestimmtheit etwas zu sehen zu bekommen, da wir ja schließlich etwas betrachten. Karen Irmer jedoch führt uns bis an die Grenze des Wahrnehmbaren und reduziert ihre Bildmittel auf ein Minimum: wir meinen, uns nur noch etwas ein-bilden zu können.

Hierher führt uns die Künstlerin jedoch ohne jeden Anflug von moralischer Strenge, wie sie eine totale Verweigerung von Bildlichkeit oft impliziert; ganz im Gegenteil scheint ihre Geste der wohldosierten Brechung von Seh- und Erkenngewohnheiten ungemein einfühlsam angelegt. Was bleibt, ist die Möglichkeit, sich nunmehr genauer und konzentrierter dem vermeintlich Wenigen zu widmen, jenem tatsächlich Vorhandenen. Karen Irmer vermag auf diese Weise unsere visuellen Voreingenommenheiten des unmittelbaren Vergleichens und raschen Einordnens zu hinterfragen. Ihre Antwort auf das überbordende, unsere alltäglichen Eindrücke quantitativ bestimmende Angebot von Bildern liegt in der Betonung bestimmter subtiler Qualitäten von Motiven, deren Präsenz nur noch als Spur wahrgenommen werden kann.

In den Räumen der Zweigstelle gezeigte Fotoarbeiten wie Ufo oder Dickicht stellen mit besonderer Prägnanz heraus, was das Medium der Fotografie für Karen Irmer bedeutet: die Möglichkeit, selbst winzige und enorm ephemere Präsenzen in ein zeitliches (Bild-)Moment zu fixieren, lässt sich im Nachhinein auf vielfältige Weise technisch unterwandern. In der Art, wie die Künstlerin das klassische Medium des Festhaltens von Zeit verwendet, suggeriert sie das Verschwinden einzelner Momente und Eindrücke und macht darauf aufmerksam, dass alles fließt. Die Rauminstallation im hinteren Teil der Ausstellung, eine zwischen s/w- und Farbaufnahmen pendelnde Landschaftsserie von Überblendungen, unterstreicht dies mit besonderem Nachdruck. Hierbei zeigt sich auch, dass die Künstlerin – trotz des medialen Transfers in eine Bildsequenz – der Fotografie in all ihrer materiellen Spezifizität treu bliebt und den Betrachter für deren Beschaffenheit in besonderem Maße zu sensibilisieren wünscht."
(Pressetext: Christoph Stolz)

 
Vernissage am 19.11.2010 ab 19:00 Uhr
Zweigstelle Berlin
Zweigstelle Berlin, 2008

Zweigstelle Berlin

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Web: http://www.zweigstelle-berlin.de

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