28.01.2011 - 26.02.2011
SOFT POWER
"„Es gibt keine reine Unmittelbarkeit der Kultur: Wo sie von den Menschen als Konsumgut beliebig sich konsumieren lässt, manipuliert sie die Menschen.“1
Das Instrumentarium von SOFT POWER, einem von dem amerikanischen Politikwissenschaftler Joseph S. Nye als Gegensatz zur hard power, der militärischen und wirtschaftlichen Macht, geprägtem Begriff ist vielfältig. Grundsätzlich steht SOFT POWER für das Vermögen den Willen anderer zu formen, während hard power das Vermögen ist zu ändern, was andere tun.2 In der aktuellen Ausstellung der Galerie Kvant präsentiert sich SOFT POWER vorrangig als aktives Mittel, als am Dialog orientierter Einsatz. Es werden fünf künstlerische Positionen vorgestellt, die das Werben für eigene Werte und politische Strukturen zulassen, eine Orientierung bieten und die Option zum Maßstab zu gereichen nicht ausschließen.
Zur weichen Macht gehören langfristige Investitionen in die Stabilität zwischenstaatlicher oder internationaler Beziehungen und passive Instrumente politischer, wirtschaftlicher, kultureller und sportlicher Leistungen. SOFT POWER steht Staaten und internationalen Organisationen genauso, wie zivilgesellschaftlichen Organisationen, internationalen Unternehmen und Einrichtungen im kulturellen Bereich zur Verfügung.
SOFT POWER ist Cultural Power.3 Dabei ist Kultur per se nur eine Quelle für potentielle Macht. Theoretisch kann jede Organisation, jedes Land, jede Kultur SOFT POWER entwickeln. SOFT POWER ist kontextspezifisch. Um potentielle Macht in reale Macht zu verwandeln, müssen die Eigentümer der Ressourcen diese mithilfe von Kapital, politischer Struktur, sozialem Kapital und sozialer Struktur konvertieren.4 Ob die Ressource zur Macht wird, hängt von der Affinität der Zielgruppe ab. SOFT POWER setzt auf Anziehungskraft und unterliegt daher den Neigungen anderer. Die Macht liegt nicht in der Hand derjenigen, die die Ressourcen besitzen, sondern in der Reaktion derjenigen, die sie empfangen.
Während die Einrichtung von 300 Konfuzius-Instituten in über 90 Ländern, in denen nicht nur Mandarin gelehrt wird, sondern nebenbei auch die Lehre des alten Meisters Konfuzius von Pflicht, Fleiß und Loyalität – die Grundlagen der chinesischen Gesellschaft – vermittelt werden, als aktiver Versuch seitens der Volksrepublik China gesehen werden muss, durch SOFT POWER nation branding zu betreiben, verhandelt die Berliner Ausstellung Möglichkeiten sich dem Versuch der Einflussnahme anderer durch SOFT POWER zu entziehen, sie zu ignorieren, zu manipulieren oder zu zerstören. Inhalte von Imagebildung, Manipulation und Propaganda werden aufgezeigt, kommentiert und ins Gegenteil verkehrt, wobei die eingesetzten Mittel zu neuen Ressourcen für SOFT POWER werden und die Option bereithalten den Adressaten mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.
Oliver van den Berg, BEWEGUNG NURR & Robert Sokol, Wolfgang Stiller, Surrend und
Christine Weber
*1 Adorno, W. Theodor, „Kultur und Verwaltung“, in: Soziologische Schriften I, Frankfurt/M, 1972, S. 144.
*2 Vgl. Nye, Joseph, „Soft Power: The Means to Success in World Politics“, New York 2004.
*3 Vgl. Fan, Ying, „SOFT POWER: POWER OF ATTRACTION OR CONFUSION? - Place Branding and Public Diplomacy“, London
2008, URL: http://bura.brunel.ac.uk/handle/2438/1594 (Stand: 9. Januar 2011).
*4 Treverton, G. F. and Jones, S. G., „Conference Proceedings – Measuring national power“, Santa Monica 2005, S. 5f."
(Pressetext: Galerie Kvant)

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10785 Berlin
Tel: +49 (0) 30 / 6200 8845
Web: http://www.galerie-kvant.de
Öffnungszeiten
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Sa 13 - 17 Uhr
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