10.04.2011 - 22.05.2011
Nadav Kander "Yangtze -The Long River"
"Mit der Serie 'Yangtze - The Long River' dokumentiert Nadav Kander die tief greifenden Veränderungen der Uferlandschaften des drittgrößten Flusses der Welt infolge der ungezügelten Modernisierung Chinas. Zwischen 2005 und 2007 bereiste der Fotograf mehrmals den Jangtsekiang, immer stromaufwärts, von dessen Mündung im Ostchinesischen Meer bis zur Quelle im Qinghai-Plateau von Tibet.
Kanders Aufnahmen zeigen neblig-graue Landschaften, die ihr Gesicht durch den massiven Eingriff des Menschen im Namen des Fortschritts so schnell ändern, dass sie heute bereits Geschichte sind. Großprojekte wie der Drei-Schluchten-Staudamm und das Süd-Nord-Wassertransfersystem, gigantische Brücken und Wohnblöcke westlicher Bauart oder Schutt- und Müllberge nehmen der Landschaft Schönheit und Idylle. Die sonnenlose Natur wirkt leer und distanziert.
Tradition und Moderne stehen am 'Großen Fluss', der im Bewusstsein der Chinesen sowohl historisch als auch spirituell immer schon eine Identität stiftende Rolle spielte, unversöhnlich nebeneinander. Die am Flussufer lebenden Menschen stehen der hemmungslosen und einschneidenden Umgestaltung ihrer Umgebung klein und verloren gegenüber. Ohne Einfluss auf die Entwicklung nehmen zu können, müssen sie sich mit dem Wandel arrangieren und sich damit abfinden, dass es ein Wiedersehen einer Landschaft aus Kindheitstagen für sie nicht mehr gibt. In der Landschaft eine Konstante zu finden ist ihnen fremd geworden.
Der Jangtsekiang ist in Nadav Kanders Fotografien das Sinnbild eines unnatürlich schnellen und oft genug inhumanen Fortschritts. Sein Werk ist eine ins Bild gesetzte sehr persönliche Reflexion über die sozialen und ökologischen Konsequenzen der wirtschaftlichen Entwicklung des modernen China. In 'Yangtze - The Long River' gelingt es Kander, die gewaltsamen Umwälzungen ebenso wie die Erhabenheit und Größe der Natur in einem ungelösten Spannungsverhältnis zu verbinden. Dabei 'sprechen diese paradoxerweise schönen Fotografien', wie es Kofi A. Annan in der Einleitung zum Buch treffend formuliert, 'eine darüber hinausgehende Wahrheit an. Die Fotografien erinnern uns an die Fragilität unserer Welt und an den Schaden, den wir angerichtet haben – Schaden, der über die Grenzen nationaler Staaten hinausgeht.'
Versammelt findet sich die komplette Werkserie in dem von Hatje Cantz veröffentlichten gleichnamigen Fotobuch, das mit einem Vorwort von Kofi Annan versehen ist und 2009 mit dem renommierten Prix Pictet ausgezeichnet wurde.
Nadav Kander
Der 1961 in Israel geborene und im südafrikanischen Johannesburg aufgewachsene Nadav Kander zählt zu den renommiertesten Fotografen der Gegenwart. Die fotografische Bandbreite umfasst künstlerische, redaktionelle und werbliche Arbeiten, die in Büchern und zahlreichen Magazinen wie dem Sunday Times Magazine, Rolling Stone, Another Man und Dazed & Confused erschienen sind. 2009 widmete das New York Times Magazine eine ganze Ausgabe mit Kauders 'Obama’s People', einer Porträtserie des gesamten Ministerstabs und der engsten Mitarbeiter Obamas. Kander erhielt zahlreiche Auszeichnungen und wurde 2009 im Rahmen der Annual Lucie Awards zum International Photographer of the Year ernannt. Seit 1986 lebt der Fotograf mit seiner Familie in London. Seine Arbeiten sind Teil der Sammlungen der National Portrait Gallery sowie des Victoria und Albert Museums in London."
(Pressetext: Forum für Fotografie)

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