24.03.2011 - 14.05.2011

Filip Zorzor | Transfer International

"Transfer International, befasst sich mit türkischen Orten. Bei seiner Ostanatolien-Reise 2010 begegneten Zorzor Durchdringungen zwischen Natur und Mensch-Gebautem/Architektur auf überwältigende Weise. Der Maler formuliert es folgendermaßen: 'Kontraste werden einem in der Fremde viel sichtbarer als in einer heimischen Umgebung. Das sind die Bilder, die sich im Gedächtnis den größten Raum einnehmen, die ich nicht mehr vergesse. Seitdem ich den Muezzin habe fünf Mal am Tag zum Gebet ausrufen hören, bemerke ich in Berlin auch wieder die Kirchenglocken'. Die daraus entnommenen Eindrücke wurden in den Bildern neu zusammengebaut. Der Begriff 'Orte' bezieht sich hierbei auf reale Städte, wie Kars, Erzurum oder Trabzon. Allgemein in den Arbeiten Zorzors können Orte aber unterschiedlicher Natur sein, wie Speisen, Klänge, literarische Momente oder Kindheitserinnerungen. Der auslösende Moment sich mit einem Ort zu befassen ist hierbei nur seine außerordentliche Qualität oder Skurilität.

Die aus der Realität kommenden Versatzstücke, die in die Bilder einfliessen, stammen bei Transfer International aus städtischen Eindrücken, Gebäudeoberflächen oder Strassengeflechten. Dieses Material empfindet Filip Zorzor als lebendige Ornamente einer Gegend. Seine Sicht ist hierbei unterschiedlich ausgerichtet: Mal von innen in den Gassen direkt und menschlich, mal von oben wie aus dem Flugzeug gesehen, geometrisch zusammengefasst, entfernt. Die Orte werden aus der Erinnerung im Atelier neu ausformuliert und erschaffen, wobei erlebte Momente wie Klänge, Gerüche und Geräusche genauso miteinfliessen und es nicht um die reine Darstellung von Stadtansichten geht. Als durch und durch Maler diktiert die Farbe die Form und die vor Ort gemachte sinnliche Erfahrung wird analog in die hohe Qualität der Farbigkeit transferiert. Tonwertsteigerungen, Chromatiken oder stark sich kontrapunktierende Kontraste versetzen einen assoziativ in die real erlebten Zustände.

Seit der Einzel-Präsentation des Künstlers auf der Art Karlsruhe 2010, die unter dem Konzept: 'Freudenterror-Nobel' stand, wies er durch die Abhebung der Bilder von der Wand auf ihren Objektcharakter hin. Erste Bildtitel trugen schon vor der Reise die Namen anatolischer Orte.
Seitdem sind die Bilder kompositionell noch eckiger, schärfer geworden. Technisch intensiveirt Zorzor seine Bildgegenstände und experimentiert an seinen farbigen Schichtungen, um rigoros die Kontraste der Bildflächen auseinanderdriften zu lassen. Trotz dieser Extreme, ist der Maler bedacht auf die Bewahrung einer einheitlichen Bildhaut von hoher Qualität und Präzision, mit der er es schafft seine ausgesprochene Originalität und besondere Handschrift zu zeigen.

Zusammenfassend, beruhen Filip Zorzors Bilder auf Erinnerungsterritorien, die durch den malerischen Prozess jedes einzeln zu einer lebendigen individuellen Welt wird.
Oder um die Arbeiten Zorzors mit einem Satz von Aischylos, aus der Orestie –den Eumeniden- noch besser zu umschreiben:

'Der Geruch von Menschenblut geht mir nicht aus den Augen.'"
(Pressetext: galerie OPEN)

 
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