29.04.2011 - 25.06.2011

ROMAN OPAŁKA: OKTOGON

"Roman Opałka ist einer der radikalsten und berühmtesten konzeptuellen Künstler der Gegenwart. In seinem Lebensprojekt, Opałka 1965/1–∞ malt er seit 1965 fortlaufende Zahlenreihen mit weißer Farbe auf immer gleich großen Leinwänden (195 x 135 cm). Aktuell hat der Künstler in seinen Bildern die Zahl 5 590 000 erreicht. Anlässlich Opałkas achtzigstem Geburtstag werden in der Galerie ŻAK | BRANICKA acht fotografische Selbstporträts präsentiert. Es ist die erste Ausstellung in Berlin seit siebzehn Jahren.

Opałka arbeitet mit dem Prinzip der Progression sowie einer visuellen und malerischen Darstellung von Zeit. 'Das Fundament meiner Arbeit, dem ich mein Leben gewidmet habe, manifestiert sich in einem Prozess der Erfassung eines Fortschreitens, das Zeit sowohl dokumentiert, wie auch definiert', so Opałka.

Sein Werk ist als Gesamtwerk zu verstehen. 1965 begann er dieses Gesamtwerk mit den Details auf Leinwand, seitdem wurde das Projekt in die Bereiche verschiedener Medien erweitert. Ein essenzieller Teil dessen sind seine fotografischen Selbstporträts, die er am Ende eines jeden Arbeitstages macht. Hier sehen wir Opałka mit der Arbeit, an der er gerade arbeitet. Titel dieser Fotografien: ebenfalls Detail, mit dem Zusatz der Zahl, die er in seiner Arbeit zum jeweiligen Zeitpunkt gerade erreicht hat. Jedes dieser Bilder entsteht unter den exakt gleichen Bedingungen, mit absolut gleicher Beleuchtung, Abstand zwischen Künstler und Kameraobjektiv und Abmessungen (24 x 30,5 cm). Opałka trägt auf jedem dieser Selbstbildnisse ein einfaches weißes Oberhemd und blickt mit einem neutralen Gesichtsausdruck direkt in die Kamera. Das gesamte Selbstporträt des Künstlers aber setzt sich aus diesen verschiedenen über die Jahre entstandenen Fotografien, die jede einen bestimmten Moment in der Zeit definiert, zu einem großen Gesamtbild zusammen. Von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, verändert sich sein Gesicht und innerhalb von fünfundvierzig Jahren ist eine Fotoserie entstanden, die ein ansonsten unbemerktes Vergehen von Zeit sichtbar macht.

Während die ersten Leinwände der Serie auf dunklem Hintergrund entstanden, hellt er seit 1972 mit jedem weiteren gemalten Detail den Hintergrund um 1% auf. Fortgesetzt durch alle Grautöne, malt Opałka seit 2008 Weiß auf Weiß. Diese Farbe nennt er "blanc mérité" (verdientes Weiß). Auch die Farbe der Selbstporträts hellt sich unmerklich von Werk zu Werk auf. Auf den früheren Selbstbildnissen hat der Künstler noch dunkle Haare, heute verschmelzen seine weißen Haare beinahe mit dem weißen Bild im Hintergrund.

Die in der Galerie ŻAK | BRANICKA gezeigte Serie von acht Fotografien wird in Form eines Oktogons installiert. Diese Art der Präsentation von Opałkas Arbeiten wurde ursprünglich 2002 vom Schweizer Architekten Jean Nouvel konzipiert. Die in Berlin gezeigten Fotos werden (wie in allen vorherigen Präsentationen) auf einer Höhe installiert, die der Größe des Künstlers entspricht, sodass die auf dem Foto abgebildeten Augen sich exakt auf der tatsächlichen Augenhöhe des Künstlers befinden und somit seine minutiöse und exakte Arbeitsweise bis in die Ausstellung der Arbeiten getragen wird.

Jedes einzelne Bild und jedes einzelne Foto ist Teil des gesamten, nach Unendlichkeit strebenden Projektes. Opałka schätzt, dass man in einem durchschnittlich langen Leben die Grenze von sieben Siebenen (7 777 777) erreichen könnte. Dieser "Horizont der Siebenen" bildet die definitive Grenze, da die nächste Stufe von acht Achten (88 888 888) unerreichbar ist. Der fortlaufende, potentiell unendliche Prozess der Auszählung wird somit erst mit dem Tod des Künstlers beschlossen."
(Pressetext: Zak | Branicka)

 
Galerie Zak | Branicka
Galerie Zak | Branicka

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Web: http://www.zak-branicka.org

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