18.03.2011 - 23.04.2011
Johannes Wald
"Die Konrad Fischer Galerie Berlin freut sich, die
Eröffnung der ersten Einzelausstellung von Johannes Wald ankündigen zu
dürfen. Bereits seit einiger Zeit reflektiert der Künstler Johannes Wald
(geb.1980) grundsätzliche Fragestellungen des Umgangs mit Skulptur. Die
Arbeiten der aktuellen Ausstellung umkreisen den Zusammenhang von Form,
Sprache und Bedeutung.
Sieben zapfenartige, von einer Trichterform ausgehende Stangen, in
Bronze gegossen bilden die Arbeit ‚presentiment, notion, agglomeration,
reconsideration, doubt, confidence and devotion cast in bronze’. Es
handelt sich jeweils um Abgüsse von Gusskanälen samt Fülltrichter, über
die gewöhnlich beim Bronzegießen das flüssige Metall in die Form
geleitet wird. Während die Gusskanäle auf den Möglichkeitsraum der
gegossenen Form verweisen, schreibt Ihnen der Titel der Arbeit jeweils
eine eindeutige Bedeutung zu, die sie im Rahmen herkömmlicher Logik
schon deshalb nicht annehmen können, da sie allesamt identischen
Ursprungs sind.
Die bedeutungstheoretische Leerstelle der Gusskanäle wird in der Arbeit
‚Pedestal for a Muse’ buchstäblich. Der Betrachter ist aufgefordert die
ihm gegenüber gestellte, leere Liege gedanklich mit einer Vorstellung
einer ihm gemäßen idealen Muse zu füllen. In ähnlicher Weise, allerdings
rein sprachlich verfasst, fordern zwei Arbeiten mit dem Titel
‚Ekphrasis’ das Vorstellungsvermögen des Betrachters. Dem Titel gemäß
handelt es sich um detailierte Beschreibungen von Skulpturen, denen es
auf unterschiedliche Weise gelingt, einen emotionalen Gehalt, eine
Verlebendigung der Form zum Ausdruck zu bringen. Dass dies aus der Sicht
des Künstlers nur in sprachlicher Form vermittelbar ist, verweist auf
eine grundlegende Konstante aller Arbeiten von Johannes Wald - einem
grundsätzlichen, tief sitzenden Zweifel an den Möglichkeiten der
Skulptur, bestimmte Gefühle oder komplexe Begriffe überhaupt angemessen
zum Ausdruck bringen zu können. So begreift Wald seine Arbeiten, seien
es Texte oder dreidimensionale Objekte, nicht als Skulpturen im
eigentlichen Sinn, sondern als Ersatzhandlungen oder Annäherungen, an
ein Verlangen nach einer vollkommenen und absolut berührenden Kunst.
Eine unscheinbare, die Ausstellung eröffnende Arbeit erweist sich als
gültige Metapher dieser künstlerischen Suche. Ein einfaches Blatt hängt
gerahmt einzeln auf einer großen Wand. Nur bei genauen Hinsehen lässt
sich der dem weißen Papier eingeprägte Name des Künstlers und darunter
das Wort ‚Bildhauer’ erkennen, da auf die Verwendung von Druckerschwärze
verzichtet wurde. Sprache – im Verfahren des Hochdrucks mit einer
Dreidimensionalität ausgestattet – erscheint so als legitimes Werkzeug
der Bildhauerei. Gleichzeitig wird in dem ‚schüchternen’ ungeschwärzten
Namenszusatz ‚Bildhauer’ sowohl der Zweifel an als auch die Sehnsucht
nach der bildhauerischen Gültigkeit des eigenen Tuns sinnfällig."
(Pressetext: Konrad Fischer Galerie Berlin)

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