06.05.2011 - 26.06.2011

Ragnar Kjartansson | take me here by the Dishwasher – Memorial for a Marriage

"Ragnar Kjartansson kommt aus dem verwunschenen Island, und auch seine rasante Karriere basiert auf dem Bezug zu isländischen traditionen und Mythen. Er ist ein Großmeister in der Königsdisziplin der Künste, der Performance, nebenbei auch noch Maler, Zeichner und Filmemacher. In seinen gleichermaßen ernsthaften wie furiosen Momentaufnahmen geht es um Liebe und Freundschaft, um Schönheit und gebrochene Herzen, um Liebe und tod, Glück und Schmerz, um Himmel und Hölle. Nie geht es um Siege, oft um Niederlagen. angelpunkt seiner Kunst ist der Impuls des Charismatikers, zu entertainen.

Von allem anfang an hat sich Ragnar Kjartansson mit dem Rollenbild des Künstlers auseinandergesetzt. Seine arbeiten sind laufende Erhebungen zum Status von Künstler, Werk und Publikum. Wer bin ich, wo bin ich, was tue ich dort, was ist geschehen, bevor ich hierherkam? Die Fragen, die sich nach Lee Strasberg ein Method actor stellen muss, scheinen auch für Kjartanssons technik eine Rolle zu spielen: Der exhibitionistische Künstler produziert Requisiten für tableaux Vivants und Rollenspiele, die teile eines sehr persönlichen Identitätspuzzles sind – das Porträt des Künstlers als Maler nächtlicher Seestücke, als Opernsänger im Rokokotheater, als Lonesome Cowboy mit Gitarre in den Rocky Mountains.

Seit Ragnar Kjartansson Dieter Roth erlebt hat, der an der Universität der Künste in Reykjavík entweder Gedichte vorlas oder die Lohnarbeit verfluchte, weiß er über die Bedeutung von Präsenz Bescheid. Deshalb sind seine Werke Live acts. Denn die Frage, wie Kunst entsteht, ist mindestens ebenso wichtig wie das fertige Resultat. auch im Zentrum der ausstellung in der BaWaG Contemporary steht ein zeitgebundenes Werk, geht es um den Moment, in dem Kunst passiert.

Performance, das ist die Kunst, die sich so leicht nicht ausstellen lässt, die Kunst des Flüchtigen, der Inszenierungen, der Extreme und der Show. Performance erstreckt sich in die tiefe der Zeit, ist Kunst mit Handlungsbedarf und anwesenheitspflicht. Nicht umsonst hießen die 721 Stunden, die Marina abramovic im New Yorker Museum of Modern art regungslos auf einem Sessel saß, 'the artist is Present'. Dieses Format hat in der BaWaG Foundation/BaWaG Contemporary tradition: Da waren Elke Krystufek und Sands Murray-Wassink, tino Sehgal in der ausstellung 'Funky Lessons', da war Jeremy Dellers Brass Band und der Obdachlose, der in der Installation von Elmgreen und Dragset wohnte.

Die neue arbeit Take me here by the Dishwasher, die Ragnar Kjartansson für seine erste Soloshow in Österreich konzipiert hat, ist, auch wenn es zunächst nicht so aussieht, eine art Selbstporträt. Die Empfängnis des Künstlers liegt in einem Nebel aus Realität und Fiktion. In eine Familie von Schauspielern und theaterleuten geboren, könnte Ragnar Kjartansson auf dem Set von Islands erstem Spielfilm gezeugt worden sein. In Morðsaga von Reynir Oddsson spielt seine Mutter, Guðrún Ásmundsdóttir, eine einsame Hausfrau, der Vater, Kjartan Ragnarsson, den Installateur, den sie in ihren träumen ruft, um den Geschirrspüler zu reparieren. In der tat fällt Kjartans Conceptio in den Zeitraum, in dem die Liebesszene auf dem Küchenboden gedreht wurde. Der alles entscheidende Moment ist im Filmloop zu sehen und wird von Troubadouren kommentiert. (...)"
(Pressetext: Brigitte Huck)

 
BAWAG Contemporary

BAWAG Contemporary

Franz Josefs Kai 3

1010 Wien

Tel: +43 (0) 059 905 / 919

Web: http://www.bawagcontemporary.at

Öffnungszeiten

täglich 14 - 20 Uhr

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