08.07.2011 - 12.08.2011

Im Dickicht der Städte

"Wie der Titel schon ausdrückt verbindet die Ausstellung eine der großen Dichotomien des menschlichen Seins, versucht den vermeintlichen Gegensatz von Stadt und Land, Kultur und Natur zu hinterfragen oder vielleicht gar auszuhebeln. Die Metropole in ihren verschiedenen historischen Ausprägungen - im Wandel der Zeit – kontrastiert mit undurchdringlichem Dschungelgrün und Dschungelrot, das gibt es im Juli bei uns zu sehen. Vier KünstlerInnen bearbeiten das Spektrum des Molochs Großstadt, seine Vergänglichkeit und sein Sichaufbäumen gegen den Verfall, was zum Beispiel bei Lena Braun aka Queen Barbie zu beobachten ist. Puschmanns Arbeiten wiederum zeigen die Undurchdringlichkeit von Natur und das Dschungelhafte von Erkenntnis und Wissenschaft. Mit kräftigem Farbeinsatz peitscht sie pulsierendes Leben auf Leinwand, ihre Skulpturen röcheln vor Leben, in keiner Pore Überdruss. David von Bassewitz wählt einen anderen Weg. Er nähert sich dem Mensch als eingefleischtem Mysterium. Historische Persönlichkeiten treffen auf das wohl spannendste Motiv der griechischen Tragödie, den Vatermord. Somit spannt Bassewitz den Menschen in gewisser Weise zwischen Technik, Psyche und Trieb auf und zeichnet ihn infolge dessen inklusive seiner animalischen Züge im kulturellen, urbanen Raum als exzentrisches Wesen. Abgerundet wird die Ausstellung von Felix Martin. Grell, expressiv, fast archaisch nähert sich der Maler dem Thema Stadt. Mit großer Intensität produziert er einen Farbrausch, welcher die Grenzen des Begriffes Stadt durch seine emotionale Konnotation sprengt.

Die Ausstellung beschreibt den Metropolenflair im Wandel der Zeit. Der Betrachter wird zum Flaneur im Dschungel, eingekeilt zwischen Mensch, Maschine und Tier, Wahrheit und Fiktion, Abgründen der Seele und des Molochs selbst. Urbanes Leben ist die Zielscheibe für Bomben, Angriff, Hass, aber auch Wohnsitz von Kultur, Schönheit, Experiment und Freiheit.  Welcome im 'Dickicht der Städte' im Saloon SU DE COUCOU.

David von Bassewitz
Der Künstler liebt das Mysteriöse in den Geschichten von und über Edgar Allen Poe und Aleister Crowley, die kriminelle Energie einer realen Patty Hearst und den Wunsch der Menschheit Abgründe und Geheimnisse zu erkennen. Von Bassewitz möchte aber auch entmystifizieren beim Verstehen und sich hineinstürzen in das Unbekannte. Menschen wollen, müssen Neues schaffen, Verborgenes erfahren. Von Bassewitzs Zeichnungen sind zart und brutal, entlarvend. Strich für Strich wird Wahrheit offenbart, visuell, ohne Pathos, aber mit Liebe zum Detail. Der Künstler verschreibt sich mit seinem Können Extremsituationen, seine Neugierde ermöglicht uns darum Grenzüberschreitung. Er geht die ganz großen Themen an, in seinen gegenständlichen Illustrationen und auch in den freien Arbeiten.


Lena Braun
Germir: Wir sehen zerstörten Lebensraum, einen historisch wunderschönen Stadtteil von Kayseri (Türkei), Teil der Blüte der Kultur an der Seidenstraße, entvölkert und verfallen durch den Genozid an den Armeniern, das Vaterhaus von Elia Kazan (Alia Kazancıoğlu'), dem Erdboden gleichgemacht. Traumhaft schöne Architektur, Symbol für und Materialisierung von Kultur, stabile Rundbögen, standhaft, wehrhaft und ungemein ästhetisch, bewegend, gegen die Zeichen der Zeit trotzen sie Erdbeben, Krieg, Gefahr, Katastrophen. Wie Medusa steht die Künstlerin selbst in ihren Siebdrucken in einem Gewölbe in Pompei. Gegenwart und Vergangenheit verschwimmen, ebenso die Geschlechter. Grenzen lösen sich auf und Fragen erscheinen am Horizont  wie Morgenrot, eröffnen den Blick auf eine artifizielle zeitlose Schönheit. Die Künstlerin entzieht mit ihrer einzigartigen Technik dem Genre des Siebdrucks das Graphische und damit das Eindeutige. Alles, was Einzigartig ist, wirkt bei Braun zeitgleich zwitterhaft. Dieser Thronsturz gelingt der Künstlerin durch die Integration von Dada-Aspekten und Camp-Attitüden in ein ach so strenges Hoheitsgebiet: Die Kunst des Siebdrucks ist endlich säkularisiert.

Felix Martin
Der Künstler schreibt voller Leichtigkeit eine Großstadtsymphonie in der grellbunte Gestalten den Ton angeben, Könige sind. Tanz und Tumult, City-Life. Dort sehen wir den Boxhagener Platz, hier eine Rote Straße. Tummeln sich darauf Bordsteinschwalben oder Partygirls? Die Frage bleibt offen. Eine farbenfrohe Einbauküche prescht hinein in urbanes Grün, sie entmachtet mit ihrer Lebensfreude die Vehemenz eines eingefleischten Kirchturms. Martins Arbeiten sind zeitlos, halb 'Blauer Reiter', halb 'Jung und Wild', sie existieren unabhängig von Raster und Urteil. Der Künstler fand an der Waldorffschule den Weg aus dem stummen Schrei hinein ins Farbenmeer. Seine Arbeiten wirken scheinbar naiv, doch dann schlägt entlarvend die Keule weisheitsschlauer Lebensfreude zu, flüstert aus Dickicht und Urzeit, Strich für Strich, älter als Höhlenmalerei und Tempelbilder,  bilden sie ab, was Innen ist.


Sonja Puschmann
Eine echte Berlinerin, die den Dschungel der Großstadt kennt, weil sie Taxifahrerin in unserer Metropole war, bevor sie sich als eine hervorragende Meisterschülerin von Georg Baselitz der Kunst verschrieb. Sie malt verschrobene Dschungel, frönt dem Ursprung des Lebens und dessen Undurchdringlichkeit. Ihre Ölgemälde sind voller Lianen, Schlingpflanzen, dichtem Grün, Tiere, dem wahren Leben entrückt. Dann dort ein quallenartiger Stammbaum, zum Platzen voll mit Mosaiksteinchen, die Herkunft des Seins bewahrend, pulsierendes Leben, eingefroren in Informationsbehältnisse, Daseinsinhalte, Wiedererkennen, Umdenken, Neudefinieren. Der Betrachter darf sich verlieren und dadurch kommt er an, in der eigenen Dichte, hinter der Herrschaft von Erklärung und Wahn.


Puschmanns Skulpturen aus wunderschönen Edelhölzern sind geschmeidig, aber nicht gefällig, Figuren die vor Sinnlichkeit strotzen und zum Nachdenken anregen, eine einzigartige Kombination von Gefühlen wird frei, berührt man ihre Abbilder von  Mensch und Tier. Auch hier herrscht Zeitlosigkeit, wann wurden diese Fetische erschaffen? Wo fand man sie, in einem zerstörten Palazzo in Venedig? In einer kleinen Hütte auf einer Südseeinsel? Ganz jetzt, ganz eigen und typisch Berlin."

(Pressetext: Saloon SU DE COUCOU)

 
Vernissage am 07.07.2011 ab 19:00 Uhr
Saloon SU DE COUCOU
Saloon SU DE COUCOU

Saloon SU DE COUCOU

Weserstraße 202

12047 Berlin

Tel: +49 (0) 30 / 896 431 39

Web: http://www.sudecoucou.net

Öffnungszeiten

Di - Sa 14 -19 Uhr

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