16.07.2011 - 09.04.2012

Mit 17… Jung sein in Deutschland

„'Junge Leute fragen nicht, was man darf und kann, junge Leute sehen die Welt mit eigenen Augen an', singt Peggy March 1965 im Schlager 'Mit 17 hat man noch Träume…' Seicht gereimt oder satt gerockt:  Jugend ist die Zeit der Entdeckungen, der radikalen Überzeugungen und der Widersprüche. Eltern und Autoritäten sind meistens nur noch 'peinlich', gleichzeitig suchen sich Jugendliche zu allen Zeiten Vorbilder.

Mit diesem – für Eltern und Kinder – schwierigen Lebensabschnitt beschäftigt sich die Ausstellung 'Mit 17… Jung sein in Deutschland' vom 16. Juli 2011 bis 9. April 2012 im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Sie zeigt mit rund 800 Exponaten, interaktiven Medienstationen, Musik und szenischen Bildern Bandbreite und Entwicklung zentraler Jugendthemen in der Öffentlichkeit­ – von Sexualität über Rebellion und Religion bis hin zu Ausbildung, Beruf und Freizeit. 

Sich vom Elternhaus abgrenzen, kritische Fragen stellen, ausprobieren, entdecken – die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und Wertvorstellungen findet immer auch über Mode, Freizeitverhalten und Musik statt. Halbstarke, Gammler, Punks, Raver, Nerds oder Emos – die Liste der Jugendkulturen ist lang und in ständigem Wandel. Mit jeder jungen Generation entstehen neue Stile. Sie ist eine begehrte Zielgruppe für Werbung und Konsumindustrie.

In der SED-Diktatur konnte schon der private Lebensstil gefährlich sein, mit zumeist schwerwiegenden Folgen. Ein Beispiel in der Ausstellung ist der Fall Michael Gartenschläger: Er gründet in der DDR einen Ted-Herold-Fan-Club, protestiert gegen den Bau der Berliner Mauer und gerät zunehmend mit der Justiz in Konflikt. Am Ende wird er in einem Schauprozess zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt.

'Stino', 'Öko' oder 'Provo'?

Jung sein hat viele Aspekte, Jugendliche wollen die Welt verändern, protestieren gegen den „US-Imperialismus“ in den 1960er Jahren, gegen Kernkraftwerke in den 1970er Jahren oder die 'NATO-Nachrüstung' in den 1980er Jahren . Aber auch die 'Stinos', die Stinknormalen, sind jung, gehen zur Schule, engagieren sich vielleicht in politischen Parteien oder bei den Pfadfindern, finden 'Greenpeace' gut und den Papst krass, 'machen Party', finden aber in den Medien weniger Aufmerksamkeit.

'Pubertät ist, wenn Eltern anfangen schwierig zu werden'

Verliebt sein, der erste Freund, die erste Freundin sind hoch emotionale Themen. Mit ihren Sorgen und Nöten richten sich Jugendliche seit den 1950er Jahren an Dr. Sommer in der 'Bravo', in der DDR 'Unter vier Augen' an Jutta Resch-Treuwerth. Briefe sind in der Ausstellung zu lesen. Sexualität spielt für Jugendliche eine große Rolle, von der Inszenierung des eigenen Körpers bis hin zum 'ersten Mal' und dem Thema AIDS. 

Wie stelle ich mir die Zukunft vor? Diese Frage beantworten Jugendliche in Ost und West zu verschiedenen Zeiten auf ihre eigene Art. Die Antworten sind auch ein Spiegel der Hoffnungen, Träume, des politischen und gesellschaftlichen Hintergrunds.

Elektronische Medien, vor allem das Internet, und die sozialen Netzwerke verändern im neuen Jahrtausend auch die Entwicklung der Jugendkultur: die Kommunikation untereinander, das Freizeitverhalten bis hin zu neuen Demonstrations- und Organisationsformen wie Flash-Mobs. Sicher ist: Jede Generation Jugendlicher erfindet sich neu."

(Pressetext: Haus der Geschichte)

 
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