11.09.2011 - 20.11.2011
Fabiàn Marcaccio | The Structural Canvas Paintants Bernhard-Heiliger-Preis für Skulptur 2011
"Die Ausstellung im Georg-Kolbe-Museum findet anlässlich der
Verleihung des Bernhard-Heiliger-Preises 2011 an Fabián Marcaccio statt.
Die neue Werkgruppe der 'Structural Canvas Paintants' ist der
vorläufige End- und Höhepunkt einer konsequenten plastischen Exegese des
Tafelbildes des Künstlers. Sie setzt bereits bei seinen frühen
selbstreflexiven Materialbildern aus den 1990er Jahren ein und steigert
sich bei den als große räumliche Installationen angelegten 'Environmental Paintants', für die der Künstler internationale
Anerkennung erhielt und die er in diversen Institutionen und
Ausstellungsorten realisierte.
Fabián Marcaccio wurde 1963 in Rosario de Santa Fe, Argentinien,
geboren, wo er an der dortigen Universität Philosophie studierte. Im
Alter von 22 zog er nach New York City, wo er bis heute lebt und
arbeitet. Er hat an zahlreichen Orten in den Vereinigten Staaten, Europa
und Südamerika ausgestellt. In Deutschland wurde er vor allem durch
Einzelausstellungen im Württembergischen Kunstverein Stuttgart (2000),
im Kölnischen Kunstverein (2001) sowie durch seine Teilnahme an der
Documenta 11 (2002) bekannt.
Die Wortneuschöpfung 'Paintant' ist eine Verschmelzung der
Begriffe 'painting' und 'mutant' und findet sich bei Marcaccio seit 1995
in Werk- und Ausstellungstiteln. Die biologisch konnotierte Bezeichnung
einer 'mutierten Malerei' dient ihm als Oberbegriff für diverse
künstlerische Praktiken, die die Natur des Tafelbildes sowohl inhaltlich
als auch formal entgrenzen. Er selbst spricht im Zusammenhang der
installativen und plastischen Tendenzen seines Werks auch von einem 'expanded field of painting', in dem eine aktive, räumlich und zeitlich
bezogene Partizipation der Betrachtenden vorausgesetzt wird. Seine
Arbeiten seien gedacht als 'action painting for the beholder', so wie
das 'Action Painting' von Jackson Pollock einen auf die Bewegungen
bezogenen dynamisch-dialogischen Malakt beschreibt.
Das erste Werk der Serie der 'Structural Canvas Paintants'
entstand 2005 unter dem Titel 'U.N.-Paintant', das auch Teil der
Ausstellung ist. Als Trägermaterial fungiert bei diesen Arbeiten ein
engmaschiges Aluminiumgitter, das mit bedruckten Leinwandteilen
verbunden wird, deren Schnittmuster in einem aufwändigen 3-D-Verfahren
am Computer berechnet wurde. Aus der Kombination beider Materialien
entsteht die 'strukturale Leinwand', womit Marcaccio sowohl ihre
plastische Formbarkeit als auch den konstruktiven Aspekt ihrer
räumlichen Zusammenfügung artikuliert. Der Künstler vergleicht den
Prozess selber mit dem eines Schneiders, also dem Anpassen einer
textilen Oberfläche an einen Körper. Das später aufgetragene pastose
Farbmaterial verleiht den Gebilden transitorische, ungreifbare Momente,
gleich der Wirkung von Bewegungsstrichen im Comic. Die Oberflächen sind
im Zustand eines fließenden Transformationsprozesses gezeigt, der die
plastische Gestalt zwar als abgeschlossen, aber gleichzeitig auch als
visuell gefährdet präsentiert. Es ist ein Hinweis auf die prozesshafte
Natur der Wahrnehmung und auch auf den mentalen Prozess der
Wirklichkeitskonstruktion, der vom Betrachter in einem
dynamisch-räumlichen Rezeptionsvorgang gespiegelt wird.
Fabián Marcaccios Werke reflektieren eine Reihe von sowohl
politischen als auch gesellschaftlichen Themen der Gegenwart wie
Globalisierung, Bankencrash, Transsexualität, Gentechnik oder
Terrorismus. Immer wieder klagt er unsere aus Krieg, Blut und Entsetzen
geprägte Infotainmentkultur an. Seine künstlerische Arbeit ist eng
verbunden mit der seit den 1990er Jahren anhaltenden 'digitalen
Revolution' und einer kritischen Reflexion über die Wirkung der
Massenmedien auf das kollektive Bewusstsein. Er versteht seine Werke als
Gegenentwurf zur heterogenen Verschränkung von Realität und Fiktion in
der zeitgenössischen Wirklichkeitserfahrung wie sie sich im Prinzip der
Collage manifestiert: 'Endgültig zum Gemeinplatz geworden ist sie [die
Collage] vielleicht in der 24-Stunden Collage des Senders MTV. Die Welt
ist zur Zeit selbst eine völlig disparate Collage, und dank der
Kommunikationstechnologie können die internationalen Industrien heute
collagierte Produkte herstellen, indem sie sich nach Belieben Arbeiter,
Materialien und Produktionsmittel in vielen verschiedenen Ländern
zunutze machen, ohne irgendwelche provisorischen lokalen Ordnungen zu
beachten. Unsere Generation ist vielleicht die erste, die versuchen
kann, nach dieser jetzt etablierten durchgehenden kulturellen Collage
etwas zu integrieren oder auf bestimmte Weise zu organisieren. Ich
betrachte meine Arbeit als eine Übung in Sachen Komplexität, eine
zusammenhängende Vielheit, die als ein einzelnes Gebilde auftritt.'“
(Pressetext: Georg-Kolbe-Museum)

Sensburger Allee 25
14055 Berlin
Tel: +49 (0) 30 / 04 21 44
Fax: +49 (0) 30 / 30 470 41
Web: http://www.georg-kolbe-museum.de/
Öffnungszeiten
Di - So 10 - 17 Uhr
Eintrittspreise:
Erwachsene 5 Euro
Ermäßigt 3 Euro

