07.09.2011 - 27.11.2011
Kontrolle und Zufall – Iannis Xenakis: Komponist, Architekt, Visionär
"Iannis Xenakis (1922-2001) gehört zweifellos zu den bedeutendsten
Komponisten des 20. Jahrhunderts. Als Architekt ist der
griechisch-französische Künstler weniger bekannt, obwohl die Arbeiten
aus der jahrelangen Zusammenarbeit mit Le Corbusier und seine Polytope,
spektakuläre multimediale Rauminszenierungen, visionär sind. Bindeglied
seiner vielfältigen Aktivitäten war die Einbeziehung von mathematischen
Verfahren - und seine Arbeitsweise, alle Ideen zuerst zu Papier zu
bringen: Xenakis ‚dachte’ mit der Hand.
Dieser bis dato wenig beachtete Zweig von Xenakis Wirken, seine
Zeichnungen, stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Die Schau zeigt
Skizzen, Studien, Partituren, Entwürfe und unbekannte Filmdokumente zu
bahnbrechenden musikalischen Werken wie 'Metastaseis' und 'Terretektorh', zu architektonischen Arbeiten wie dem Diatop für das
Centre Pompidou 1974 bis hin zu den avantgardistischen Polytopen. In den
Papierarbeiten setzte Xenakis seine komplexen Kalkulationen im
Schnittfeld von Musik, Architektur und Mathematik grafisch um. Sie sind
visuelle Vorstufen einer Kunst, die zumeist im Hörerlebnis ihren
Ausdruck findet; in der Ausstellung erhellen sich die Zeichnungen und
über Hörstationen erlebbare Musikeinspielungen wechselseitig.
Die Ausstellung, erstmals 2010 im Drawing Center, New York, gezeigt,
ist in der Akademie um Arbeiten von Zeitgenossen und aktuelle Werke
erweitert. Über die Querverbindung zu Hermann Scherchen, Richard
Buckminster Fuller oder Allan Kaprow eröffnen sich unter dem Thema 'Kontrolle und Zufall' neue Bezüge zu John Cage. Die
Auseinandersetzungen um Verfahren des Zufalls und der Kontrolle –
exemplarisch in der Kontroverse zwischen dem Unbestimmtheitsprinzip bei
Cage, der seriellen Musik und den streng mathematischen Konstruktionen
von Xenakis – hatte in den sechziger Jahren nicht nur in der Musik
Konjunktur. Die unterschiedlichen Positionen sind in einem Archivraum
zusammengefasst, darunter Videoporträts mit Eberhard Blum, Reinhild
Hofmann, Enno Poppe, Dieter Schnebel und bisher noch nie gezeigte
Dokumente aus dem Archiv der Akademie wie die Zeichnungen zum geplanten
Auditorium Scherchens in Gravesano, 1961.
Die Ausstellung der Akademie wird ermöglicht durch die Schering
Stiftung. Der vom Drawing Center, New York, organisierte Teil der
Ausstellung wurde unter besonderer Mitwirkung der Bibliothèque nationale
de France, Paris, realisiert."
(Pressetext: Akademie der Künste)

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