Berufsverband-Chef Kilian Heck im Interview

Kunsthistoriker wollen über Bilder im Internet aufklären

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"Fake Bilder" im Internet fordern die Kunsthistoriker in Deutschland heraus. Ihre Kompetenzen können helfen, sie zu erkennen - dafür müssten sie viel früher und breiter genutzt werden

Vor dem Hintergrund der Informationsflut im Internet sehen sich Deutschlands Kunsthistoriker zur Aufklärung verpflichtet. Bildkompetenz müsse Teil des Schul-Lehrplans sein, sagte der Chef des Berufsverbandes, Kilian Heck, vor Beginn des Deutschen Kunsthistorikertages in Dresden der Deutschen Presse-Agentur:

Was steckt hinter dem Tagungsmotto "Kunst lokal - Kunst global"?
Ein ganz aktueller gesellschaftlicher Grund: Kunst wird im Moment wieder sehr politisch wahrgenommen. In den vergangenen zwei bis drei Jahren ist deutlich geworden, dass auch sie Teil der gesellschaftlichen Debatte ist, dass wir etwa über die Migrationsthematik auch immer wieder zur Kunst kommen.

Muss sich die Kunst einmischen?
Der Kunst sollten wir nicht zu viel abverlangen. Über sie gesellschaftliche Konflikte zu schlichten, das ist in der Geschichte immer schon eher misslungen. Der ideologische Missbrauch von Kunst ist sehr schnell gegeben. Aber über Kunst und Kunstwerke können Kommunikation und Dialog entstehen. Das kann polarisierend sein, daraus kann aber auch eine weiterführende Diskussion entstehen. Eine zentrale Aufgabe unseres Faches war immer schon die Aufklärung über Objekte, die Kunst und die Bilder, die wir vor uns haben. Es geht um das Wissen um Inhalte und deren Vermittlung.

Wo liegen in Deutschland Defizite des Faches?
Das Potenzial an Vermittlung könnte noch mehr ausgeschöpft werden. Die Kompetenzen der Kunsthistoriker sollten in der Schule stärker genutzt werden. Auch angesichts der Bilderflut in sozialen Medien, wo binnen Sekunden jedes gezeigte Bild kommentiert wird, ohne dass darüber ausreichend reflektiert würde. Über das, was ein Bild ausmacht, muss breiter und viel früher aufgeklärt werden. Bildwissen und -kompetenz sollten Teil des Lehrplans sein. Denn Bilder können begeistern und aufrütteln, aber auch verführen. Angesichts dessen, was im Internet an "Fake Bildern" produziert wird, steht unser Fach in der Pflicht. Es geht darum, die keineswegs selbstverständliche Kompetenz zu erlernen, ein Bild zu beschreiben, zu sagen, was sehe ich da.

ZUR PERSON: Kilian Heck (Jahrgang 1968) ist Professor für Kunstgeschichte am Caspar-David-Friedrich-Institut der Universität Greifswald. Er studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Klassische Archäologie in Frankfurt am Main, Marburg und St. Petersburg. Seit 2013 steht er dem Berufsverband der Kunsthistoriker vor, der rund 3000 Mitglieder hat.

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