Mark Leckey in New York

Pop machte ihn hardcore

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Im New Yorker MoMA PS1 offenbart Mark Leckey in seiner bislang größten Einzelausstellung erneut seine Obsession für Popkultur und feiert Großbritanniens kreative Energie vor dem Brexit

Mark Leckey, 1964 bei Liverpool geboren, war immer umgeben von Industrie und Punk, später dann von Rave und Medien. Wie Technologie sich auf Popkultur, Musik und Kunst auswirkt, zeigte er in seinem 1999 veröffentlichten ersten Film "Fiorucci Made Me Hardcore". Inspiriert von der britischen Rave- und Clubkultur, arbeitete Leckey mit gesampeltem Videomaterial von Dokumentationen über britische Nachtclubs, den Sound dazu produzierte er selbst mit Samples von diversen Dance-Platten. Der Film, Leckeys Durchbruch, beeinflusste bis heute nicht nur zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, sondern auch die Modeszene und die zeitgenössische elektronische Musik.

Auf zwei Stockwerken des MoMA PS1 haben die Kuratoren Peter Eleey und Stuart Comer die bisher größte Einzelausstellung des Turner-Prize-Gewinners von 2008 realisiert. Mark Leckeys Obsession für alte und zeitgenössische Popkultur findet sich in seinen älteren Arbeiten. Die berühmte Animationsfigur Felix The Cat ist als riesiger aufblasbarer Ballon, in Zeichnungen oder in Videoinstallationen im PS1 zu sehen. "Sound System" (2002) besteht aus fünf mächtigen skulpturalen Musikboxen, die fragmentarische Beats von sich geben, Musikstücke und field recordings abspielen. Akustische Medien und technologische Signale sind in Leckeys Arbeiten sehr präsent, viele dieser Soundspuren nimmt er selbst in seinem Umfeld auf.

2013 organisierte Leckey eine Wanderausstellung mit dem Titel "The Universal Addressability of Dumb Things", in der er 3-Dgedruckte Kopien von Alltagsgegenständen, wie etwa Antiquitäten, Maschinen, Sexspielzeug und Kunstwerken von Ed Atkins, Louise Bourgeois oder William Blake auf Podesten und in Glaskästen präsentierte. Für die Ausstellung im PS1 erweiterte er die Sammlung durch computergerenderte Animationen, Digitalprints und LED-Videos. Leckey schafft dadurch Relikte der Gegenwart, die er so behandelt, als seien sie echt.

Im zweiten Stock füllen Nachbauten einer Liverpooler Autobahnbrücke und Strommasten den Raum und verwandeln ihn in einen Ort aus Leckeys Kindheit. Die Installation ist dem 23-minütigen Video "Dream English Kid 1964–1999AD" von 2015 entnommen. Es ist die jüngste Videoarbeit des Künstlers und die bisher persönlichste. Leckey führt darin durch verschiedene Lebensphasen. Wir sehen Plattenläden in London, Videoclips von Joy Division, die Radaraufnahme der 1983 abgeschossenen Korean-Air-Maschine. Wir entdecken die Autobahnbrücke und die Strommasten, die im Nebenraum nachgebaut wurden. Mark Leckeys aktueller Film ist eine ehrliche und melancholische Bestandsaufnahme seines Lebens, erzählt aus der Ich-Perspektive. Es ist eine Hommage auf Großbritanniens kreative Energie vor dem Brexit.

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