Vor Eröffnung mit Steinmeier

Probleme bei Mannheimer Kunsthalle

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Rückschlag für Mannheims ehrgeiziges Kulturprojekt: Aus technischen Gründen ziehen die Kunstwerke erst später ein. Durch ein leeres Gebäude muss Bundespräsident Steinmeier im Dezember aber nicht wandeln

So war es nicht geplant. Wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Dezember die Mannheimer Kunsthalle besucht, werden die meisten Wände des rund 70 Millionen Euro teuren Neubaus leer sein. Mannheims großartige Sammlung alter Meister: Steinmeier wird sie nicht zu sehen bekommen. Die wertvollen Gemälde von Manet oder van Gogh ruhen dann immer noch im Depot. Grund sind technische Probleme im aufwendigen Neubau. Steinmeier wird nur der Schlüsselübergabe des Museums beiwohnen, danach schließt die Kunsthalle wieder bis Anfang Juni. Erst dann sollen die Bilder die Wände zieren. Eigentlich sollte der Besuch des Staatsoberhaupts jedoch der feierliche Schlusspunkt des ehrgeizigen Neubaus sein.

Doch knapp sechs Wochen bevor sich Steinmeier in der Kunsthalle ins Goldene Buch der Stadt einträgt, ziehen die Organisatoren die Reißleine. "In den vergangenen vier, fünf Wochen haben sich Dinge angesammelt, die den geplanten Einzug der Bilder in die Kunsthalle unmöglich machen", sagt Stiftungsratschef Manfred Fuchs.

So seien im Neubau "kleinere Temperaturschwankungen" festgestellt worden, zudem würden die Kriminalpolizei und die Versicherung weitere Schutzmaßnahmen fordern. "Zwei Fenster sollen besser gesichert sowie 30 weitere Bewegungsmelder eingebaut werden", sagt Fuchs. Eins sei zum anderen gekommen. "Die Ambition war, den Neubau bereits im Sommer zu übergeben, damit die Kunst bis Dezember hätte einziehen können. Diese Ambition hat sich leider nicht realisieren lassen", meint er.

Es geht längst nicht nur um einen möglichen Imageschaden. Eine Eröffnung fünf Monate später bedeutet auch höhere Kosten - zum Beispiel entgangene Eintrittsgelder. Von insgesamt knapp 100 000 Euro spricht Fuchs hier. "Ja, es gibt einen Mehraufwand - den wollen wir aber so knapp wie möglich halten", sagt Direktorin Ulrike Lorenz.

Durch ein leeres Gebäude muss Steinmeier am 18. Dezember nicht wandeln. Kunstwerke wie Skulpturen und Installationen sollen zu sehen sein. Darunter ist die wohl größte Privatsammlung mit Werken des Künstlers Anselm Kiefer. "Wir werden Kunst erleben, aber nicht alles", sagt Fuchs. Vorwürfe von schlechter Planung weisen die Organisatoren zurück. "Es wird mehr Zeit benötigt als ursprünglich gedacht, aber es zählt das Ergebnis - und das kann sich sehen lassen", sagt Bauvorstand Hanno Diehl mit Verweis auf die Architektur mit Brücken, Treppengassen und einem lichtdurchfluteten Atrium.

Trotzdem: Die bilderlosen Wände werden die Kritik in Mannheim an dem Neubau weiter befeuern. Bereits die Fassade ist für manche in der Stadt mit 300 000 Einwohnern eine Provokation: matt glänzt ein filigranes Metallgewebe an der Außenhaut. "Kunst hinter Gittern", spotten Kritiker. Sie zweifeln, ob sich das Museum an Mannheims Wahrzeichen, dem Wasserturm, harmonisch in die Nahtstelle zwischen Wohnviertel und Geschäftszentrum fügen wird. Von einem Entwurf in die Zukunft spricht hingegen Lorenz. "Die Fassade bleibt etwas Eigenes."

Die seit 2009 in Mannheim tätige Direktorin hielt bis zuletzt am Dezember-Termin fest. "Aber ich musste schließlich sagen: Leute, das können wir nicht machen. Die Verantwortung war nicht mehr tragbar", sagt Lorenz. Kostbare Bilder aufzuhängen, während Handwerker Bewegungsmelder montieren, gehe nicht. "Jetzt haben wir ein halbes Jahr mehr, um uns einzuleben", sagt Lorenz. Sie klingt erleichtert.

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