Raubkunst auf der Documenta

Verdächtige Werke bitte melden!

Ein Schwerpunkt der Documenta 14 ist das Thema Raubkunst

Wer in der Neuen Galerie in Kassel die Erklärtafel vor einem deckenhohen Bücherregal lesen will, muss sich bücken. Nur in Demutshaltung erfahren die Documenta-Besucher die Geschichte dieser Bücher: Sie gehörten zu 40 000 Bänden aus jüdischen Privathaushalten, die sich die Berliner Stadtbibliothek 1943 einverleibte. Nun sind sie Teil eines Kunstwerks von Maria Eichhorn und der Mittelpunkt des Documenta-Schwerpunkts zum Thema Raubkunst.

Die 1962 im bayerischen Bamberg geborene Künstlerin hat eigens für die Documenta 14 ein Institut gegründet, das "Rose Valland Institute", das sich einerseits als künstlerisches Projekt versteht, andererseits aber auch als Forschungs- und Dokumentationsstelle. Die Documenta-Besucher werden aufgerufen, "NS-Raubkunst im ererbten Besitz zu recherchieren und Informationen dem Rose Valland Institut zu melden". 

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste findet das Projekt gut. Man habe der Künstlerin und der Documenta sogar eine Zusammenarbeit angeboten - bislang allerdings ohne Erfolg. "Grundsätzlich ist es auf jeden Fall zu begrüßen, wenn ein Kunstprojekt Menschen dazu animiert, (Kunst-)Gegenstände in ihrem Umfeld auf ihre vielleicht problematische Vergangenheit hin zu befragen", sagte die Sprecherin des Zentrums, Freya Paschen, am Freitag in Magdeburg. 

In Vitrinen sieht man Fotos von Beschlagnahme-Aktionen, an den Wänden vor allem viel Text. Nachzulesen ist zum Beispiel die Geschichte eines Gemäldes von Max Liebermann, das 2012 als Teil der Sammlung Gurlitt beschlagnahmt und dem Großneffen des rechtmäßigen Besitzers zurückgegeben wurde. Das Bild selbst ist nicht in Kassel. 

Documenta-Leiter Adam Szymczyk wollte ursprünglich den ganzen Schwabinger Kunstfund auf der Documenta zeigen. Das hat nicht geklappt, aber "die Idee gab uns enorme Energie", wie Szymczyk der dpa sagte. Das Thema passt zum politischen Anspruch seiner Documenta, Fragen nach Eigentum und Enteignung fügen sich ins Gesamtkonzept. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob die Beschäftigung mit dem unrechten Umgang mit Kunst selbst Kunst sein kann.

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