Offener Brief an die Karlsruher Hochschule für Gestaltung

Autoren wenden sich "gegen Salonfähigkeit Neuer Rechter"

Marc Jongen lehrt Philosophie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung (HfG) Karlsruhe  und ist schon seit langem Programmkoordinator der Alternative für Deutschland (AfD) in Baden-Württemberg. In einem offenem Brief fordern Autoren der Schriftenreihe "HfG Forschung" nun das Rektorat auf, zu den Positionen Jongens Stellung zu beziehen

Universitäten - gerade Kunsthochschulen - sind ein Milieu, das traditionell eher als links gilt. Umso mehr überrascht es, dass ein Papier der AfD von Marc Jongen mitverfasst wurde. Thema: die sogenannte "Gender-Ideologie." Jongen ist akademischer Mitarbeiter für Ästhetik und Philosophie an der HfG in Karlsruhe. Davor war er Assistent von Peter Sloterdijk, bei dem er auch promoviert hat.

Nun fragt der Kunstkritiker Hanno Rauterberg letzte Woche in der "Zeit", wie eine Hochschule mit AfD-Mitgliedern umgehen soll. Denn als Hochschuldozent sorgt Jongen für eine Nobilitierung rechter Positionen. Jongen schreibt in einem Essay in "Cicero", die Reaktion auf den "Amoklauf der Moderne" sei es, "zuweilen auch reaktionär" zu sein. Seinen Aufsatz nennt er ein Manifest.

Auch wenn Jongen bestreitet, dass sein politisches Engagement irgendwelche Auswirkungen auf seine Lehrtätigkeit an der Hochschule hat, sind seine Kollegen besorgt. Beispielsweise Beat Wyss, Professor für Kunstgeschichte an der HfG und Monopol-Autor, sagt in der "Zeit" deutlich, Jongen mache politische Werbung für eine Splitterpartei mit Verbindungen in die Neonazi-Szene, und sei damit ein "akademisches Feigenblatt" für Rechtsradikale.

Das Rektorat der Hochschule hat sich bisher nicht von Jongen distanziert, aber einige Autoren der Schriftenreihe "HfG Forschung" haben einen offenen Brief an die Hochschulöffentlichkeit und das Rektorat verfasst. Darunter der Autor und Professor an der HfBK Hamburg Friedrich von Borries und weitere Lehrende aus Hamburg, Dresden, Berlin und München. Diesen Brief dokumentieren wir hier:

 

Freitag, den 4. Dezember 2015

GEGEN DIE SALONFÄHIGKEIT NEUER RECHTER
AN DER HOCHSCHULE FÜR GESTALTUNG KARLSRUHE (HfG)
EIN ÖFFENTLICHER BRIEF,

unterzeichnet von
AutorInnen der Buchreihe "HfG Forschung",

adressiert an
die Hochschulöffentlichkeit der HfG Karlsruhe, das Rektorat der HfG Karlsruhe, und den Wissenschaftlichen Beirat der Schriftenreihe "HfG Forschung."

Sehr gerne waren wir bislang AutorInnen in der Schriftenreihe "HfG Forschung." Dies geschah im Vertrauen auf die Integrität der Institution HfG Karlsruhe. Doch dieses Vertrauen ist erschüttert, da sich der Herausgeber dieser Schriftenreihe, Dr. Marc Jongen, als Stellvertretender Sprecher und Programmkoordinator der AfD Baden-Württemberg und Mitglied der AfD-Bundesprogrammkommission entpuppte – und als solcher reaktionäre, fremden- und frauenfeindliche Positionen mit vertritt.
 

Gerade von der HfG Karlsruhe, die als inoffizielle Erbin der weltberühmten und politisch progressiven HfG Ulm gilt, erwarten wir, dass sie die Neue Rechte nicht salonfähig macht. Wir fordern deshalb die Hochschulöffentlichkeit der HfG Karlsruhe, das Rektorat dieser Hochschule und den Wissenschaftlichen Beirat eindringlich auf, Dr. Marc Jongen als Herausgeber der Schriftenreihe "HfG Forschung" abzulösen.

Die UnterzeichnerInnen:

Prof. Ruedi Baur (Haute école d'art et de design, Genf)
Prof. Dr. Friedrich von Borries (Hochschule für Bildende Künste Hamburg)
Prof. Dr. Alexander Gutzmer (Architekturmagazin Baumeister; Quadriga University Berlin)
Prof. Dr. Anke Haarmann (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
Prof. Dr. Lars Koch (Technische Universität Dresden)
Prof. Dr. Cornelia Ortlieb (Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg)
Prof. Dr. Michaela Ott (Hochschule für Bildende Künste Hamburg)
Prof. Dr. Stephan Trüby (Technische Universität München)
Prof. Dr. Kathrin Wildner (HafenCity Universität Hamburg)


Update 8. Dezember: Die HfG hat zur Kritik an Jongens Stellung bezogen.

 

 

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