Robert Longo in Basel

Twist auf den Dächern der Großstadt

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Robert Longos "Men in the Cities" ist legendär – auf der Art Basel gibt es eine Wiederbegegnung

Der US-Künstler Robert Longo liebt Film und Musik. Doch das für sein Schaffen zentrale Medium ist geradezu altmodisch langsam: die Zeichnung. 1979  bannte Longo eine Serie sich krümmender New-Wave-Punks auf monumentalen Kohle- und Graphitzeichnungen: "Untitled (Men In The Cities)" hatte im Januar 1981 bei der Galerie Metro Pictures Premiere

Erst zwei Jahre vorher hatte Longo die erste Einzelausstellung in New York gehabt, in dem Performance-Kunstraum The Kitchen, wo auch seine Kollegen und Freunde David Salle, Sherrie Levine, Cindy Sherman ausstellten: Heute nennt man sie die "Pictures Generation".

Die "Männer in den Städten" waren Longos künstlerischer Durchbruch: überlebensgroße, scheinbar frei im Raum schwebende Männer und Frauen in urbanen Uniformen. Immer wieder sind sie zitiert worden: ob im Vorspann zur Fernsehserie "Mad Men" oder in Apple-Werbungen. Die Darstellungen basierten ursprünglich auf gefundenem Bildmaterial aus Magazinen und Filmen. Vor allem aber griff die Reihe zurück auf Longos Fotos seiner Freunde auf dem Dach seines Lofts, er bewarf sie mit Bällen, nach denen sie sich zu strecken hatten oder denen sie auswichen. Unter diesen Modellen waren die Künstlerinnen Gretchen Bender und Cindy Sherman, der Musiker Glenn Branca, der Schauspieler und Autor Eric Bogosian, der spätere Großgalerist Larry Gagosian und auch Brooke Ale­xander, dessen New Yorker Galerie jetzt die Editionen nach Basel bringt, die Mitte der 80er zusammen mit Longo aufgelegt worden waren.

Die sechs Farblithografien, etwas kleiner als Lebensgröße, werden prominent an der neuen "Spotlight"-Wand präsentiert, die direkt vom Rundhof zu sehen ist. Wer ein Exemplar kauft, kauft ein Stück Zeitgeschichte. "Untitled (Men in the Cities)" ist beeinflusst von den Verrenkungen, die zeitgenössische Musiker wie James Chance und Glenn Branca um 1980 aufführten. Angezogen wie der prototypische downtown punk, werden die Figuren von "Men in the Cities" von gewaltigen, jäh auf sie einwirkenden Energien durchzuckt. Sie sollten wirken wie Pistolenschüsse, sagte Longo einmal dazu, oder "wie der Akkordwechsel auf der Gitarre bei einem Rocksong". Und wirklich meint man, die Musik zu hören, die für die Kunst der "Pictures Generation" um Longo so bedeutsam war und deren neues, androgyn-dynamisches Geschlechterbild ihre Arbeiten bestimmte.

Es war die Zeit des Postpunk und des No Wave, von Bands wie den Talking Heads, Television und den New York Dolls – eine Zeit, in der New York wild und gefährlich war und das Spiel mit Geschlechterrollen in den Mainstream vordrang: Von der schon transvestitenhaften Verkleidung Cindy Shermans zu den übermaskulinen Anzugträgern Longos ist es nur ein kleiner Schritt. "Untitled (Men in the Cities)" sind körperlich-emotionale Ausbrüche, die in kühler Einsamkeit stattfinden und bei aller 80er-Seligkeit zeitlos wirken.

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