Andy Warhol Giant Size

Sieben Kilogramm Pop

Der Versuch, zwischen zwei Buchdeckeln noch umfassend Neues über Andy Warhol präsentieren zu wollen, kam in den vergangenen Jahren häufig dem Eingeständnis eines editorischen Scheiterns gleich: Zu umfangreich sind OEuvre und Mythos, die der gebürtige Amerikaner mit slowakischen Vorfahren hinterließ, als er 1987 im Alter von 59 Jahren starb. Warhol war der personifizierte Pop und damit vermeintlich ungeeignet als Objekt einer ernsthaften Auseinandersetzung. Wenn nun ein Band erscheint, der den Anspruch, kunsthistorisch ein Schwergewicht zu sein, auch physisch verkörpert, dann liegt die Gefahr des Scheiterns nahe. Der mächtig ins deutsche Kunstbuchgeschäft drängende Phaidon Verlag umschifft sie so sorgfältig wie elegant. „Andy Warhol Giant Size“ heißt das mehr als voluminöse Buch, das Biographie, Wirkungsgeschichte und Werkverzeichnis sein möchte. Und ist: Der fast sieben Kilogramm schwere Almanach erzählt chronologisch das Leben von Andy Warhol vom Obstverkäufer und Werbegraphiker zum millionenschweren Superstar. Die knappen, aber äußerst präzisen Kapiteleinführungen von Warhol-Kapazitäten wie Dave Hickey, Bruno Bischofberger und Peggy Phelan lassen viel Platz für Dokumente von Geburtsurkunde bis Totenschein, für Fotografien von und über Warhol, für Zeichnungen, Gemälde und Faksimiles. Richtig vollständig nimmt den Künstler trotzdem erst wahr, wer beim Blättern durch den opulenten Wälzer ein deutlich leichteres Schwergewicht aus dem Verlag Kurt Liebig daneben liegen hat. Dort sind nun endlich jene gesammelten Warhol-Interviews erschienen, die der New Yorker Radiojournalist Kenneth Goldsmith zusammengetragen hat. In ihnen ist sogar der Mann hinter dem Mythos erkennbar.

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